06.09.2022
Nachtrag:
https://www.nzz.ch/zuerich/die-coronakrise-beeinflusst-die-geburtenrate-aber-anders-als-impfkritiker-meinen-ld.1699799
Corona beeinflusst die Geburtenrate, aber anders, als Impfkritiker meinen
Frauen in Zürich gebären 2022 deutlich weniger Kinder als früher. Der Trend zeigt sich in der ganzen Schweiz. Was ist da los?
[...] Die Fertilitätsrate, also die Anzahl Neugeborene pro Frau im Alter von 15 bis 49, ist mit minus 22 Prozent markant tiefer.
Der Geburtenrückgang trete in allen Altersklassen, bei Schweizerinnen und ausländischen Frauen sowie in allen Stadtkreisen auf,
schreibt die Stadt Zürich. [...]
«In der Tat lassen die provisorischen Geburtenzahlen für Januar bis Juni 2022 vermuten, dass diese Periode geburtenschwächer ausfallen wird als die gleiche Periode der Vorjahre», bestätigt Patricia Zocco vom Bundesamt für Statistik. Auch wenn die definitive Zahl erfahrungsgemäss noch steige, bleibe 2022 voraussichtlich unter dem Durchschnitt.
Ein möglicher Grund ist die anhaltende Krisensituation. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten stellen viele Menschen ihre Familienplanung zurück, sei es aus Unsicherheit oder aus finanziellen Gründen. Eine Studie des Weltbevölkerungsfonds UNFPA hatte vergangenen Sommer gezeigt, dass die Geburtenrate wegen der Corona-Pandemie in Europa und den Vereinigten Staaten deutlich zurückging. Die meisten Menschen hätten in unsicheren Zeiten lieber weniger Kinder – und die Frage sei, ob sie über die Mittel dazu verfügten, erklärte die Populationsexpertin Rachel Snow damals.
Vielleicht ist die Baisse aber auch nur der natürliche Effekt nach einer früheren Hausse. 2021 kamen in der Schweiz so viele Kinder zur Welt wie seit fast fünfzig Jahren nicht mehr, «und nach Perioden aussergewöhnlich hoher Zahlen sind häufig Rückgänge zu beobachten», sagt Zocco. [...]
Obwohl die aktuelle wissenschaftliche Evidenz eine andere Sprache spricht, geistert in impfkritischen Kreisen schon seit Wochen die These herum, die Covid-Impfung, die seit dem Frühjahr 2021 erhältlich ist, könnte den Geburtenrückgang verursacht haben. [...]
Das Bundesamt für Statistik sieht keinen Hinweis auf einen ursächlichen Zusammenhang. «Ein simpler Vergleich zwischen Zahlen von Kantonen mit hoher Impfrate und solchen mit geringer Impfrate ist zur Stützung der Hypothese kaum tauglich, da andere – bekannte und auch nicht bekannte – Faktoren nicht in der Analyse berücksichtigt wurden», so Zocco. Dass Länder wie Portugal oder Frankreich trotz relativ hohen Impfquoten keinen Einbruch der Geburtenrate feststellen, spricht ebenfalls gegen einen direkten Kausalzusammenhang.
Gerade der Blick auf andere Länder verdeutlicht: Eine simple Antwort auf die komplexe Frage, wieso die Geburtenrate zurückgeht, gibt es nicht.