25.03.2016
Hallo Jean, danke für Deine Replik! Ich komme gerade schnell wieder am PC vorbei und will ganz schnell eine (zumindest erste) Antwort geben.
Das, was Du beschreibst, bezieht sich auf kurzfristige hormonale Effekte, denke ich. Also mehr im 24-Stunden-Bereich. Obendrein – das hab ich vielleicht zu wenig deutlich ausgedrückt – kommt es meines Wissens beim Mann vor allem unter Stresssituationen (der „Säbelzahntiger“) zu dieser libidosteigernden Wirkung. Ich habe es nur konsequent hinter die Ernährungskomponente gesetzt, weil ich das bei der Frau jeweils an erste Stelle gesetzt hatte, weil ich davon überzeugt bin, dass das da der wichtigere der beiden Faktoren ist. Beim Mann ist es aber wohl der Stresslevel (die Todesangst, die plötzliche Aussicht auf Sterblichkeit), der zu erhöhter Libido führt. Liebe Männer: Hand hoch, wer von Euch noch nie Prüfungsstress hatte und dabei – völlig irrational – daran denken musste, dass er jetzt viel lieber Sex hätte, anstelle das einzig Sinnvolle in dieser Situation zu tun – nämlich schnell noch auf Teufel komm raus zu pauken! ( :-) nein, dafür hab ich leider keine Studie, nur meine Erfahrung und die Erfahrungen meiner männlichen Freunde)
Aber auch bei den kurzfristigen Effekten von mTOR bin ich mir nicht ganz sicher. Denn gerade das mTOR steigt ja doch vor allem dann superkompensatorisch an, wenn man dessen Bildung vorher unterdrückt hatte (durch kurzes Fasten, also Kalorienreduktion, durch erschöpfendes Krafttraining). Aber eben alles im kurzfristigen Bereich. Und da gilt dann eher: „kurzfristig wenige KH = überspringend steigendes mTOR = in weiterer Folge mehr Testosteron, mehr HGH. Aber eben alles kurzfristig.
Noch wichtiger erscheint mir aber Deine erste Wirkkette, wenngleich ich es eher mit „Überlebenstrieb“ als mit „Jagdtrieb“ bezeichnen würde, denn hier kommt es zu vermehrter Aktivität sowohl beim Jagen als auch beim Sammeln – einfach bei allem, was dazu beitragen kann, die kalorische Mangelsituation zu beheben. Im Zusammenhang mit Ketose ist dieser Hinweis noch wichtiger, und somit schön, dass Du mich daran erinnerst hast.
Viele untersuchen die Auswirkungen der Ketose lediglich auf den Stoffwechsel („nutritional ketosis“). Und kommen dann zu unterschiedlichen Ergebnissen, weil sie sich in der Regel nicht auch noch mit der Bewegung beschäftigen. Wenn man in Ketose ist, ist es aber noch wichtiger, sich zu bewegen (Stichwort: Überlebenstrieb). Zu jagen und zu sammeln. Denn Ketose ist auf Dauer nicht erstrebenswert und nicht sinnvoll (auch nicht gesund). Sie ist gleichbedeutend mit einer temporären Mangelsituation - insbesondere dann, wenn man keine Reserven mehr auf den Hüften hat -, die möglichst ausgeglichen werden sollte. Viele glauben, wenn sie in Ketose sind, sollten sie sich lieber nicht zu viel bewegen. Schongang quasi. Ganz falsch! Denn das fährt den Stoffwechsel runter. Und vielleicht meinen wir dann alle eh genau das, wenn wir – mit unterschiedlichen Ergebnissen - über physiologische Insulinresistenz und so philosophieren. Es ist für mich so selbstverständlich, dass viel Bewegung (teilweise durchaus auch erschöpfende) zur Ketose dazu gehört (um die Muskelinsulinsensitivität zu erhalgten), dass ich vergaß, das extra anzuführen.
Denn es stimmt natürlich, was Du sagst: wenig Kalorien (KHs) in der Nahrung führen zu einem vermehrten Bewegungsdrang (denn in der sprichwörtlichen Höhle sitzen bleibend, wird sich mein Nahrungsangebot nicht verbessen – zumindest damals in der Prä-Amazon-Zeit :-) ). Dieser Bewegungsdrang kann „Jagdtrieb“ sein, ist aber zumindest irgendeine Form von Bewegung, von Aktivität, um gegen die „Mangelsituation“ anzukämpfen. Ich würd hier nicht von "Jagdtrieb" sprechen, da dies viele wiederum 1:1 mit "Sexualtrieb" übersetzen.
Zum mTOR-Thema kann ich Dir leider keine Studie liefern, zumal ich, wie gesagt, der zweiten Gruppe angehöre, um sich einem Thema anzunähern. Ich freue mich dann aber immer, wenn von Leuten der ersten Gruppe (den – positiv formuliert! – Detailverliebten) Studien vorgelegt oder zitiert werden, die mich dann bestätigen (zum Thema mTOR hab ich das sicher auch gelesen, weiß aber nicht mehr, wo … vielleicht beim Dave Asprey, der sich viel damit beschäftigt … und nein, ich bin kein Anhänger des Bulletproof Coffees, weil ich leider – wie umfangreiche Selbstexperimente zeigten, extrem stark auf das Koffein reagiere und das meinen Blutzucker durcheinander bringt - leider :-( ).
Aber vielleicht findet sich hier im Forum ja jemand, der mehr auf die Details scharf ist und auch Studien parat hat. Tät mich jetzt durchaus auch interessieren.
Vielleicht fällt mir am Abend noch mehr ein - jetzt ist grad der Säbelzahntiger hinter mir her :-) .