Dann habe ich Carlos an der Stelle wohl misverstanden. Tut mir leid.
Ja, die Politik (nicht nur die aktuelle) hat einges an Defiziten. Nicht nur hinsichtlich Kommunikation, sonder auch in Bezug auf Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit/-willigkeit. Was ich aber nicht nachvollziehen kann ist, für was die Grünen alles verantwortlich gemacht werden; egal, ob man sie mag oder nicht.
- Atomausstieg: wurde von CDU/CSU und FDP 2011 beschlossen und auf Ende 2022 gesetzlich festgeschrieben. Der größte Teil der abzuschlatenden AKWs ist unter CDU geführten Regierungen vom Netz gegangen,
Nur 3 AKWs sind unter Grüner Regierungsbeteiligung abgeschaltet worden. Und Habeck ist der einzige Minister, der die Laufzeiten von AKWs verlängert (!) hat. Ganz nebenbei haben sich auch die Betreiber nicht wirklich darum gerissen, die Meiler noch länger zu betreiben. - Energiewende: Ist jahre- bis jahrzentelang von CDU geführten Regierungen verschelppt und verpennt worden; inkl Netzausbau und Netzverkauf an Tennet. Es liegt in der Natur der Sache, dass, je länger man mit dem Gegensteuern wartet, umso heftiger muss die Reaktion ausfallen. Ist es da fair/sinnvoll, das Ausputzen der Versäumnisse der Vorgängerregierungen den jetzigen Akteuren anzukreiden (von schlechter Kommunikation mal abgesehen)?
- Wärmewende: Hier grundsätzlich das Gleiche, wie bei der Energiewende. Was man der aktuellen Regierung aber sicher anlasten kann, ist ein zu ambitionierter Zeitplan und (wieder einmal) mangelnde Kommunikation und Geschlossenheit. Eine bessere Abstufung wäre sicher sinnvoll gewesen (z.B. 1. Neuanlagen für Neubauten, 2. Neuanlagen im Bestandsaustausch, 3. langfristig der Rest). Medien (allen voran BILD) und pseudo-empörte Wutbürger haben das Ganze dann angeheizt und versucht zu skandalisieren. Dabei hätte ein Blick über die Landesgrenzen gereicht, um zu ekennen, dass unsere Nachbarn da teilweise deutlich weiter sind; ohne größere Probleme.
- Verbrenner-Aus: Es mag zwar das deutschen Autofahrerego/-herz schwer treffen, wenn ab 2035 keine PKW mit Verbrennungsmotor neu(!) zugelassen werden sollen, aber die Diskussion und Empörung und auch das Taktieren der FDP sind irrelevant. In vielen Märkten und von vielen Autoherstellern ist der Ausstieg aus dem Verbrenner bereits eine ausgemachte Sache; teilweise schon vor 2035. Und nur für deutschen Befindlichkeiten von Wenigen wird die Automobilindustrie keine (dann) Nieschentechnologie weiter am Leben halten; zumindest nicht im Massenmarkt. Die geplanten nächsten Schritte bei den Agas- und Emissionsgrenzwerten tun ein Übriges.
Ich habe den Eindruck, dass es in manchen (Medien)Kreisen einfach schick und opportun ist, alles und jedes Problem den Grünen anzulasten und die Notwendigkeiten zum Handeln schlicht zu ignorieren. Einen nicht unerheblichen Anteil wird dabei der Lobbyismus der fossilen Energiebranche haben (z.B. die Verbindung KKR -> Axel-Springer-Verlag/Döpfner -> BILD, WELT).