05.08.2022
"Warum vermutete man eigentlich, dass der Steini so viel Fleisch gegessen hat, wenn doch Pflanzen sehr viel leichter zu haben sind?"
Da musste ich jetzt wirklich lachen. Wo sind Pflanzen leichter zu haben? Im Supermarkt? In meinem Garten ist das schon mit mehr Mühe verbunden, auf dem Acker geht es nur leicht, wenn große Maschinen, viel Diesel, Dünger und Gift (alles aus fossilen Quellen, mehr CO² in die Athmosphäre!) eingesetzt wird.
Ich bin als Botanikerin öfter in Landschaften unterwegs, die noch annähernd Naturlandschaftscharakter haben. Stell dir vor: viel Wald, Gräser, Stauden, oder Flussauen, Auenwald, Gewässer, Halboffenland, sumpfig. Was willst du da essen? Ich habe mal im Harz kartiert, Juni, bei uns zuhause waren die Himbeeren schon reif, im Harz noch nicht: Da habe ich mich gefragt, fast Sommer und was würdest du jetzt hier essen, was dir genügend Nährstoffe für einen Tag mit viel Bewegung gibt? Dann war da ein Bachtälchen, wenig Bäume, dazwischen Wiesenpflanzen und vor meinem inneren Auge tauchten Bilder von Auerochsenherden auf.
Wilde Pflanzen mögen leicht zu haben sein, aber sie sind nicht nahrhaft, kaum verdaulich für uns. Auch Früchte und Knollen, die z.B. in den Tropen leicht zu haben sind, reichen nicht aus, Wurzeln und Knollen sind zudem mit Giften vor Fraßfeinden geschützt. Das menschliche Gehirn hat sich auf Kosten des Darms mithilfe von nährstoffdichter, leicht verdaulicher tierischer Nahrung entwickelt. Wer essen will wie ein Rind, muss leben wie ein Rind: den halben Tag fressen, den anderen halben verdauen.
Empfehlenswert ist das Buch von David Wengrow und David Graeber: The Dawn of erverything / Anfänge, Eine neue Geschichte der Menschheit: Menschen, die in Landschaften leben, wo es einen Überfluss an tierischem Leben gibt, Muscheln, Fische, Großwild, brauchen nicht den ganzen Tag Beeren mit geringem Nährwert sammeln oder mühsam den Boden umgraben um gut leben zu können.
Der pflanzliche Anteil von Paleo war immer abhängig vom Klima und der Jahreszeit.