Hallo Robert,
"Ich habe in meinen Büchern ca. 60-80 Studien aufgenommen, die Very-Low-Carb/Keto erfolgreich als Werkzeug benutzen, um den Diabetes in Remission zu schicken."
die Gretchen-Frage ist dabei, waren die entsprechenden Settings isokalorisch, bzw. energiebalanciert (keine negative Energiebilanz)? Nur dann wäre der Effekt/Erfolg auch wirklich auf dden Wegfall des Energiesubstrats Kohlenhydrate zurückzuführen. Ergibt sich aus dem Studiendesign jedoch, dass die Interventionen hypokalroisch war, bzw. die Probanden/Patienten sich in einem Energiedefizit wiedergefunden haben, ist die Schlussfolgerung, dass der Erfolg auf das Fehlen von Kohlenhydraten zurückzuführen ist, weder zwingend noch überzeugend.
Für da generelle Verständnis von KH- und Fettstoffwechsel sein an dieser Stelle noch mals auf edubily verwiesen:
https://edubily.de/blogs/ratgeber/blutzucker-und-insulin-senken
Insulin wird superniedrig, wenn man Fettmasse verliert.
Es ist egal, wie man die Fettmasse verliert, wenn man sie aber verliert, sinkt Insulin stark ab.
Thema Diabetes
Auch hier werden sich gerne und oft Märchen erzählt. [...]
Die Entstehung von Diabetes bzw. Insulinresistenz ist bestens erforscht. Im Vordergrund steht … Fett. [...]
Bei der Pathogenese spielen Fette, Fettsäuren und Abkömmlinge davon die entscheidende Rolle.
Pharmakologische Hemmung der Fettsäuren-Freisetzung vom Fettgewebe...
... verbessert die Insulinsensitivität. Grund auch hier: Weniger Fettsäuren im Blutstrom = weniger Fettsäuren (Energie) im Gewebe = reziproke Steigerung der Glukose-Oxidation = verbesserte Insulin-Wirkung.
Der Ausweg
Der Ausweg ist so simpel wie genial: Entweder man sieht zu, dass die Fettmasse niedrig bleibt – oder man sieht zu, dass die Fettmasse gesund ist (Kälte, Bewegung usw.!!). Denn ein gesundes Fettgewebe hat eine bessere Speicherfähigkeit und wird entsprechend auch bei Zunahme der Masse nicht so viele Fettsäuren abgeben. [...]
Aber wie kriegt man den Energiestoffwechsel wieder zum Laufen, wenn nicht mit strenger Low-carb-Ernährung (wie so häufig propagiert)? Auch hierfür hat die Natur eine Antwort, dafür hat sie extra ein Hormon erfunden, das sich fachsprachlich Triiodthyronin (T3) nennt.
Umsetzung in der Praxis
Die Real-Life-Implikation: Wenn die Petra, 48, mit einer schlechten Schilddrüsenleistung, jetzt “keto” isst, sich den Butter-Kaffee reinhaut, “um in die Ketose zu kommen”, und sich im Studio wirklich Mühe gibt, sich den Arsch aufreißt, passiert möglicherweise genau das Gegenteil von dem, was sie sich erhofft hat:
Das Fettgewebe mobilisiert bei Anstrengung (bei Stress) Fettsäuren. Der aufgrund ihres latenten Übergewichts ohnehin erhöhter Fettsäuren-Spiegel im Blut steigt nun weiter an. Dies wiederum bedeutet, dass der Randle-Zyklus am Anschlag ist, und die Zelle mit Fettsäuren bombardiert wird, was den Glukose-Stoffwechsel maximal ausbremst. Die Folge ist ein höherer Blutzuckerspiegel, kein niedrigerer!!
Auf der anderen Seite ballert die Leber vermehrt Glukose raus (Gluconeogenese), weil natürlich auch die Leber insulinresistent wird und jetzt denkt, man befinde sich in einer Hungersnot oder in einer belastenden Stresssituation. Folge auch hier wieder: Die Leber und die peripheren Gewebe (z. B. Muskel) setzen Thyroxin zu T3, dem aktiven Schilddrüsenhormon um – dafür braucht es aber Anabolismus! Mit unserer tollen Tat erreichen wir genau das Gegenteil und die Petra bremst möglicherweise auch noch die Schilddrüsenleistung auf diese Weise ab.
Ein gesunder Blutzuckerspiegel hat wenig mit der Ernährung zu tun, solange man keinem Extrem verfällt und auf ein normales Gewicht achtet. Sobald man eine der beiden Regeln aber bricht – sprich sich z. B. vollständig fettbasiert ernährt oder sich den Schwabbel anfrisst – braucht man sich über eine schlechte Blutzuckerkontrolle nicht zu wundern.
Die Faustregel ist: Wer seinen Energiestoffwechsel zu stark in Richtung Fettverbrennung umstellt, riskiert einen schlechten Kohlenhydratstoffwechsel und damit genau das, was man eigentlich vermeiden will: Hoher Blutzucker und Insulinresistenz.
WICHTIG: Und hier ist es völlig egal, warum wir viele Fettsäuren im Blut haben.
Der Insulin- und der Blutzuckerspiegel hängen von der Power des Motors (= der Funktion des Energiestoffwechsels) und von der Fettmasse ab – nicht umgekehrt!
LG
Thorsten
PS: Ja, LC/Keto können(!) ein geeignetes Mittel sein, Fettmasse zu verlieren; wenn man es richtig ein- bzw. umsetzt.