Lieber Robert,
"Kannst Du ein Buch empfehlen, was sich intensiver mit good carbs/bad carbs befasst?"
Ein spezielles Buch zu dieser Thematik fällt mir nicht ein, aber die Ausführungen von Dr. Robert Lustig, gerade auch zu den Metabolisierungswegen von Glukose und Fruktose/Alkohol fand ich sehr informativ.
"Und Ananas, Apfel + Grapefruit + Granatapfel kommt auch alles auf den Tisch."
Ganze Früchte (nicht nur Saft) sind ok, wenn man Maß hält. Es kommt leider nicht von ungefähr, dass Affen in diversen Zoos schon Bananenverbot haben, weil die Früchte mittlerweile so (frucht)zuckerhaltig gezüchtet sind, dass die Affen Diabetes entwickeln.
"Aber er hat eben auch diese interessante Reaktion genannt, wonach eben die Fettsäuren schneller/leichter oxidieren können, wenn sich da ein Carb dranhängt."
Schon, aber da sind halt nicht alle Carbs gleich. Es wäre sicher auch nicht von Vorteil den Blutzuckerspiegel (Glukose) unter seine physiologische Untergrenze absenken zu wollen.
"Der Doc hat in seinen Büchern gedanklich auch immer eine Referenz darauf mit dem Hintergrund, warum Carbs gefährlich sind."
Und genau da habe ich massive Probleme; mit dieser Gleichmacherei ohne weitere Differenzierung.
"Mit Fructose wollte ich eher auf den Paleo-Hintergrund hinaus: In der Reifezeit haben wir uns damals "zu Recht" den Bauch vollgeschlagen. Um über den Winter zu kommen. Daher Fett."
Das mag mal ein sehr sinnvoller Mechanismus gewesen sein. Aber bei Obstversorgung rund ums Jahr und Zucker- und Fruktosezusatz in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln (...Fruktose-Sirup) findet leider allzuoft eine Überfrachtung mit Fruchtzucker statt; dann kommen noch Fruchtsäfte hinzu, die immer noch von vielen als besonders gesund angesehen werden.
"Aber der halbe Apfel am Tag ist dann, aus meiner Sicht, sehr sinnvoll, weil er den Insulinspiegel nicht so sehr antriggert."
Wahrscheinlich zumindest nicht schädlich.
Übrigens ist Insulin nicht nur schlecht. Es ist eine der wichtigsten anabolen Substanzen im Körper. Es sollte halt nur nicht dauerhaft erhöht sein.
"Ist es auch nicht interessant, so generell, dass der Körper mit höchster Prio:
Alkohol abbaut
Carbs abbaut
und dann erst Fett."
Carbs (Glukose) und Fett können von nahezu jeder Körperzellen verwertet werden. Ich sehe sie daher als Energielieferant und nicht als etwas, dessen sich der Körper durch Abbau entledigen müsste.
Alkohol und Fruktose werden dagegen nahezu ausnahmslos in der Leber abgebaut; und zwar auf nahezu identische Art und Weise. Im Rest des Körpers können beide Schäden anrichten. Bei übermäßigem Konsum schaden sie auch der Leber; das sind Merkmale eines Giftes.
Interessant wäre mal eine Studie oder Datensammlung über die Höhe des Blutzuckerspiegels bei Menschen in Ketose (Low-/no-Carb). Nachdem, was ich bis jetzt darüber (auch hier im Forum) mitbekommen habe, haben Menschen in Ketose eben keinen (signifikant) niedrigeren Blutzuckerspiegel. Was das Low-/No-Carb zumindest in Bezug auf den Blutzuckerspiegel ad Absurdum führen würde. Sollte die eigentliche Wirkungsweise eine Andere sein, z.B. niedrigerer Insulinspiegel, ließe sich das auch anderweitig realisieren (Insulinsensitivität verbessern, Insulinresistenz abbauen).
Ich habe Probleme mit der Vorzustellung, dass eine dauerhafte, extreme Ernährungsform "genetisch korrekt" für uns ist. Zumal es reichlich Beispiele für gesunde und langlebige Völker gibt die High-Carb leben. Die Thematik dürfte also deutlich komplexer und kontextabhängier sein als ein oft kolportiertes "laß einfach alle Carbs weg".
Letzten Endes muss jeder für sich, seinen Kontext, seine Ziele und Prioritäten eine sinnvolle Ernährungsweise und Lebensweise finden. Es gibt kein "One Size Fits All". Fraglich bleibt auch, ob eine anfangs positive Intervention auch auf Dauer von Vorteil ist.
LG,
Thorsten
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