20.02.2014
Sorry Anna, ich muss es einfach so drastisch sagen: die Antworten hier auf deine Frage sind einfach nur schrottmässig... Ich selber habe als ehemaliger Läufer beidseitiges sog. femoro-acetabuläres Impingement (FAI, F=Femur=Oberschenkel, A=Acetabulum=Pfanne, I=Impingement=Anschlagen), und ja, der von dir zitierte Arzt hat Recht, es ist sehr häufig. Man vermutet, dass bis 10% der Personen diese Fehlbildung des Hüftgelenks haben (Ursache noch unbekannt, Wachstumsstörung im Teenageralter), und dass wahrscheinlich ein grosser Teil der nicht traumabedingten Hüftarthrosen auf das Konto dieser Störung gehen. Insofern kann/muss man von einer Volkskrankheit sprechen, wenngleich auch von einer nahezu unbekannten… Wie gesagt, eine Wachstumsstörung in der Adoleszenzphase, und diese Malazie ist auch erst vor einiger Zeit (ca. 19 Jahre) in der Schweiz entdeckt worden (Prof. Ganz, Bern). Die Fehlpassung von Hüftpfanne einerseits und Hüftkopf-Oberschenkelhals-Übergang am Oberschenkelkopf wird in einer sog. Offset-Korrektur arthroskopisch zurechtgefräst, d. h. das überstehende Zuviel an Knochenmaterial am Kopf-Hals-Übergang und/oder Hüftpfanne wird abgetragen, je früher dies geschieht, desto besser. Bei fortgeschrittener Arthrose und/oder höherem Patientenalter sieht man wegen mangelnder Erfolgsaussichten davon ab. Der Arzt hat auch insofern Recht, weil dieses Problem gehäuft leider gerade bei sportlich aktiven Leuten sich verschärft, weil gerade bei stärkerer Hüftbeugung der Oberschenkelhals (gleich unterhalb des Hüftkopfes) am Hüftpfannenrand an- bzw. aufschlägt (engl. Impingement=Anschlagen) und den Knorpel von Pfanne und Hüftkopf seitlichen Scherkräften aussetzt, was diesem überhaupt nicht gut bekommt. Hüft- und auch Knieknorpel sind vorwiegend für axial-vertikale Krafteinwirkungen ausgelegt. All dies ist im Internet sehr leicht zu recherchieren!!!
Die Fehlpassung ist logischerweise nur operativ zu beheben, auch da hat der Arzt leider recht. Da könnt ihr lange mit Magnesiumchlorid transdermal, NEM oder osteopathisch rumprobieren, davon gehen die Knochenüberstände nicht weg, im Gegenteil, mit (physio)therapeutischen Hüftbeugen kann die faserknorpelige, hoch innervierte Pfannenrandlippe an der Hüftpfanne noch tiefer gequetscht und die ganze Degeneration der Hüfte weiter beschleunigt werden. Deswegen (wahrscheinlich) auch die Schmerzen nach intensiven Läufen, weil stärkere Hüftbeugung.
Bei der Diagnose Hüftimpingement würde ich noch ein Fragezeichen setzen: Hüftschmerzen können tausend Ursachen haben, und ich würde an eurer Stelle noch eine Zweitmeinung zur Absicherung dieser Diagnose einholen (mit MRI, laterales Röntgenbild(Lauenstein-Aufnahme), um eine allenfalls nicht indizierte OP zu vermeiden.
Falls die Diagnose Impingement gesichert ist und nicht operativ, d. h. konservativ behandelt wird, sollten stärkere Hüftbeugen in Sport und Alltag konsequent vermieden werden, weil sonst der Knorpel regelmässig mit seitlichen Scherkräften fehlbelastet wird und immer weiter degeneriert.