22.04.2020
Hallo Max,
der Körper nutzt i.W. 3-4 Systeme für die Energieversorgung, speziell bei körperlicher Beanspruchung:
1. ATP. Die eigentliche "Energiewärung" der Zellen. Kann in Sekundenbruchteilen verwertet werden, mit maximalem Energieumsatz. Vorräte in den Zellen sind begrenzt und reichen ca. für 1-2 schnelle + kraftvolle Muskelkontraktionen. Wird unmittelbar von den folgenden Systemen nachgebildet
2. Glykolyse (aerob + anaerob). Produktion von ATP durch das Verstoffwechseln von Glukose.
Anaerob (ohne Sauerstoffverbrauch) mit sehr hohem Energieumsatz/Leistung für bis zu ca. 10s (=> 100m Sprint "All Out"). Dabei aufbau einer Sauerstoffschuld, sowie Laktatanhäufung.
Aerob (mit Sauerstoffverbrauch, Citratzyklus) für hohen Energieumsatz/Leistung für bis zu ca. 30-60 Minuten (=> schneller 10km Lauf)
3. Fettstoffwechsel (Beta-Oxidation). Mäßiger Energieumsatz/Leistung (Grundlagenausdauer) über mehrere Stunden. Sauerstoffbedarf ~15% höher als bei aerober Glykolyse (=> entsprechende Leistungslimitation durch Atmung und Herz-Kreislauf)
4. Ketose. Vergleichbar mit 3.. Sauerstoffbedarf ?(habe ich keinebrauchbaren Informationen drüber)
Alle genannten Systeme laufen nie(!) isoliert. Der Mensch ist keine binäre Einheit wo Energiesysteme ein- oder ausgeschaltet werden. Grundsätzlich laufen alle Energiesysteme mit von der Belastung abhängigen Anteilen parallel. Z.B. ist der Anteil des Fettstoffwechsels (Beta-Oxidation) beim sog. "Fettverbrennungspuls" zwar höher (z.B. ~80% des Energieumsatzes), alledings kann bei höherer Intensität/Puls und geringerem Anteil des Fettstoffwechels (z.B. 60%) aufgrund des deutlich höheren Gesamtenergiumsatzes der absolute Fettverbrauch trotzdem spürbar höher liegen. Hier gilt es dann zwischen Fettverbrauchs-Training und Fettstoffwechsel-Training zu unterscheiden.
Der metabolisch gesunde Körper kann bei wechselnden Belastungen frei in den Substratanteilen hin und her wechseln und soll das auch dürfen. Idealerweise kann man durch optimale Kombination von Fett- und Glukosestoffwechsel das Beste aus zwei Welten erreichen: ausdauernde Belastung auf einem etwas höheren Leistungsniveau (Glykogenvorräte über die Belastunsdauer strecken; dafür müssen aber auch welche vorhanden sein).
Jetzt (endlich
) zu deiner Frage:
Die Energie/Leistung, die du deinem Körper abverlangst, solltest du ihm auch zur Verfügung stellen, wenn er nicht gezielt körpereigene Reserven kanibalisieren soll. Wenn du mit hohen Intensitäten / Intervalltraining / HIT trainieren willst, um deine Muskeln zu trainieren, sollten die auch den entsprechenden "Traibstoff" bekommen (und grundsätzlich auch in der Lage sein, ihn angemessen zu verwerten). D.H. für hohe Belastungsintensitäten Glukose für die Zellen bereitstellen. Andernfalls erreichen die Muskeln nicht ihre angestrebte Belastungsintensität.
Grundsätzlich stehen (Energie)Ressourcen nur begrenzt/endlich zur Verfügung. Wenn zuviel Energie in ein System gesteckt wird, steht diese Energie nicht mehr für andere Systeme zur Verfügung. Dieser temporäre Energie-/Ressourcenmangel kann bei unadäquater Versorgung dazu führen, dass Regeneration oder Beeinträchtigungen des Immunsystems nach hartem Training länger dauern, als eigentlich nötig.
Mein Tip: Probier es aus. Wenn du deinen Kalorienverbrauch für die Intervalleinheiten einigermaßen quantifizieren kannst, kannst du z.B. ~20-30 Minuten vorher eine entsprechende Menge Traubenzucker zu dir nehmen (z.B. 20g => ~80kcal). Mit etwas Übung und Erfahrung kannst du das dann so timen, dass deine Muskelzellen den anflutenden Blutzucker aufnehmen und verbrauchen, ohne(!) nennenswert Insulin auszuschütten.
LG Thorsten