Forum: Gesundheit - Besser schlafen mit Magnesium! – Falsche Schlussfolgerungen

0 Lesezeichen
Seite
Anzeigen pro Seite
Carlos 1221 Kommentare Angemeldet am: 18.12.2018

Witzig sind auch die 11% , die durch ein Placebo besser schlafen. 

Also gibt es 81% , die weder durch Placebos noch durch Magnesium müde werden.

11% werden durch irgendetwas müde - egal ob Placebo oder Magnesium.

8% -also in etwa die SPD Wähler - werden von Magnesium müde.

Somit kommen wir zur Schlußfolgerung ?

Die SPD liegt in aktuellen Umfragen vorne und wird voraussichtlich den neuen Bundeskanzler stellen  :-) 

Ok, wenn man es genau nimmt, ist der Vorsprung der SPD vor Placebo nicht so groß und eigentlich sind 81% dagegen. 

Umfragen, Studien...... 

 

 

1 Personen gefällt dieser Kommentar Diese Funktion steht nur mit einem Forum-Account zur Verfügung.
Oliver Adam 27 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hallo Carlos,

die Forscher sagen in ihrer Schlussfolgerung selbst: »Die Einnahme von Magnesiumbisglycinat führte bei Erwachsenen, die über eine schlechte Schlafqualität klagten, zu einer leichten Linderung der Schlafstörungen«. Noch mal: Nur 19% der Betroffenen erzielten mit Magnesium eine wahrnehmbare Wirkung (im Vergleich zu 11% der Placebogruppe).

Heißt: Die überwiegende Mehrheit, nämlich 81%, hat entweder keine positive Wirkung oder sogar eine negative Wirkung erfahren. Daher müsste die Schlussfolgerung lauten: 

»Die Einnahme von Magnesiumbisglycinat führte bei EINIGEN Erwachsenen, die über eine schlechte Schlafqualität klagten, zu einer leichten Linderung der Schlafstörungen«.

»Einige« und »leicht«: Daher ist auch die Headline »Besser schlafen mit Magnesium!« nicht okay. Sie suggeriert für JEDE betroffene Person: Ich habe Schlafprobleme -> Ich nehme Magnesium -> Ich schlafe besser. Wie gesagt: Das mag für eine kleine Teilgruppe stimmen, für die Mehrheit tut es das sicher nicht.


2 Personen gefällt dieser Kommentar Diese Funktion steht nur mit einem Forum-Account zur Verfügung.
Carlos 1221 Kommentare Angemeldet am: 18.12.2018

Hallo Oliver,

danke für deine Recherche !  Es soll häufiger vorkommen, dass Autoren eine bestimmte Vorstellung haben und sich die Ergebnisse doch etwas zurechtbiegen. Wenn ein anderer Autor der Auffassung wäre, dass Nems nichts bringen, hieße die Überschrift "Magnesium hat keinen gravierenden Einfluss auf die Schlafqualität". 

Es gibt eine Kombination von Baldrian mit Magnesium. Ich kenne eine Person (nicht ich selbst) , die mit der Kombination Baldrian/Magnesium wie ein Murmeltier schläft und ohne die Kombination schlecht schläft. 

Vielleicht ist ja etwas dran an dem Magnesium, aber das lässt sich anscheinend wie Oliver dargestellt hat, nicht aus der Studie ableiten.  

 

Personen gefällt dieser Kommentar Diese Funktion steht nur mit einem Forum-Account zur Verfügung.
Roger 1540 Kommentare Angemeldet am: 18.04.2020

Hallo Oliver Adam,

Magnesium ist ein Schritt in die richtige Richtung und ich sehe hier keinen Widerspruch. Außerdem nehmen viele Mitglieder des Forums deutlich größere Mengen Magnesium ein (z.B. 500 mg oder täglich > 1 g Magnesium bei einem erhöhten Kalzium Einstrom in die Zellen) und die KVT-I reicht bei schweren Schlafstörungen häufig nicht aus. Viele Grüße!

Roger

 

1 Personen gefällt dieser Kommentar Diese Funktion steht nur mit einem Forum-Account zur Verfügung.
Oliver Adam 27 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Das bedeutet, dass auch die Überschrift »Besser schlafen mit Magnesium – AUSRUFEZEICHEN« übertrieben ist und irreführende positive Wirkungen für jederman verheißt. 

2 Personen gefällt dieser Kommentar Diese Funktion steht nur mit einem Forum-Account zur Verfügung.
Oliver Adam 27 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hallo Robert,

Deine Interpretation der Studie ist leider so nicht korrekt. Beispiel: »Auch hier hebt sich die Gruppe, die 250 mg Magnesium am Tag eingenommen hat, signifikant von der Placebo-Gruppe ab«. Ich argumentiere für die Interessierten ausführlich sowie methodisch korrekt und gebe am Ende eine richtige Interpretation.

Ein Problem bei der Interpretation der vorliegenden Ergebnisse besteht darin, dass die berichtete Effektgröße (ausgedrückt als Cohen’s d = 0,2) lediglich einen KLEINEN durchschnittlichen STATISTISCHEN Unterschied zwischen Interventions- (also Magnesium-) und Kontrollgruppe beschreibt und KEINE unmittelbaren Rückschlüsse auf die klinische Relevanz zulässt. Statistische Signifikanz und Effektstärke geben Auskunft über die Wahrscheinlichkeit und Größenordnung eines Effekts auf Gruppenebene, beantworten jedoch NICHT die Frage, ob dieser Effekt für einzelne Patientinnen und Patienten tatsächlich bedeutsam ist. Für die Beurteilung der klinischen Relevanz sind daher zusätzliche Kriterien erforderlich, insbesondere die Bestimmung einer »minimal klinisch wichtigen Differenz« (Minimal Clinically Important Difference, MCID) sowie die Analyse von Responderraten.

In der vorliegenden Studie wird eine MCID als Reduktion des Insomnia Severity Index (ISI) um mindestens sechs Punkte definiert. Zwar zeigt sich, dass ein Teil der Teilnehmer diese Schwelle erreicht (19% Magnesiumgruppe, 11% Placebogruppe), jedoch ist der Unterschied zwischen Magnesium- und Kontrollgruppe vergleichsweise gering. Dies deutet darauf hin, dass der beobachtete DURCHSCHNITTLICHE Effekt nicht gleichbedeutend mit einem klinisch bedeutsamen Nutzen für die Mehrheit der Behandelten ist. Vielmehr spricht dies für eine heterogene Wirkung, bei der nur ein Teil der Teilnehmer tatsächlich profitiert.

Damit verbunden ist ein weiteres grundlegendes Problem aggregierter Effektmaße, also von Durchschnittswerten: Mittelwerte verschleiern interindividuelle Unterschiede in der Wirksamkeit. Ein kleiner durchschnittlicher Effekt kann sowohl dadurch entstehen, dass ALLE Teilnehmer in GERINGEM Maße profitieren, als auch dadurch, dass eine Teilgruppe STARK profitiert, während andere KEINE oder sogar NEGATIVE Effekte zeigen. Die vorliegenden Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass insbesondere Personen mit NIEDRIGER Magnesiumzufuhr stärker von der Supplementierung profitieren könnten. Dies legt nahe, dass die Wirksamkeit von Magnesium eben nicht als einheitlicher Effekt, sondern als differenziertes, von ganz individuellen Voraussetzungen abhängiges Phänomen verstanden werden sollte.

So zeigt zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie (KVT-I) bei Schlaflosigkeit in zahlreichen Studien deutlich größere und konsistentere Effekte auf Schlafparameter und subjektive Schlafqualität. Im Vergleich dazu erscheint der hier beobachtete Effekt der Magnesiumsupplementierung nicht nur statistisch klein, sondern auch klinisch begrenzt, insbesondere wenn evidenzbasierte Erstlinienbehandlungen (eben die KVT-I) verfügbar sind.

Daraus folgt, dass Magnesium allenfalls als ergänzende oder unterstützende Maßnahme in Betracht gezogen werden kann, nicht jedoch als gleichwertige Alternative zu etablierten psychotherapeutischen Interventionen. Also ganz praktisch gesprochen: Wer unter Schlaflosigkeit leidet, sollte in jedem Fall zum Beispiel die KVT-I anwenden. Er KANN zusätzlich Magnesium einnehmen und darauf hoffen, dass er zu derjenigen Subgruppe von Personen gehört, bei der Verbesserungen eintreten.

3 Personen gefällt dieser Kommentar Diese Funktion steht nur mit einem Forum-Account zur Verfügung.
Seite
Anzeigen pro Seite
Copyright © 2013-gegenwärtig Magento, Inc. Alle Rechte vorbehalten.