Apropos News von heute: Ich kann das nur bestätigen. Ich verfahre im Familienkreis bei einer 91-jährigen Patientin genau so. Das Aminogramm wurde zwar nie gemessen, ist aber mit Sicherheit zufriedenstellend (Gesamteiweiß ziemlich gut).
Worum geht es? Schlaganfall vor zwei Jahren. Linksseitiger Neglect, die Patientin hat sich aber sehr gut erholt, nur leichte mentale Einbußen. Setzt bereitwillig alles um, „trainiert“. Hauptproblem: In der Folge traten starke, also generalisierte epileptische Anfälle auf. Für die Schulmediziner normal. Sie verordnen härteste Drogen (Keppra, Levetiracetam, Tavor …). Auf Rezidive reagieren sie reflexartig mit Dosissteigerung, koste es, was es wolle. Die Folgen muss man mal erlebt haben!
Wir haben abgesetzt, natürlich auf Basis einer kompletten Frohmedizin. Leichte Anfälle in kurzen Abständen ließen sich zunächst trotzdem nicht vermeiden. Stress mit dem Krankenhaus. Die wollen die Patientin (und vor allem mich) nicht mehr sehen. Gut so. Die Lösung ist nicht so schwer, denn es gibt a) Studien, b) innovative Maßnahmen (Gießen zB). Seit einem halben Jahr herrscht ziemlich Ruhe. Kein KH-Aufenthalt mehr, nur zwei leichte Ansätze von Krampfanfall, die wir wie folgt planmäßig in den Griff bekamen:
Es gibt drei Mittel, die man einsetzen kann, sobald sich ein Krampfsymptom bemerkbar macht:
a) 1 Tavor-Tablette. Das Problem: Die halbe Wirkung setzt erst nach etwa 45 min ein, da der Wirkstoff über den Darm resorbiert wird.
b) Midazolam als Nasenspray oder als Buccolam-Spritze. Das Nasenspray kann die Patientin selber anwenden. Der Wirkstoff erreicht bereits nach 3 Minuten die Hirnrinde. (Problem: Das Nasenspray ist in Deutschland(!) normalerweise nicht zu bekommen, man kann sich aber einen kompetenten Apotheker suchen und es per Rezept herstellen lassen. Genaue Referenz: Uniklinik Gießen. Auf den Neurologen muss man möglicherweise Druck ausüben. Bei uns war das zum Glück nicht nötig, nachdem die Fakten vorlagen.)
Eleganteste Lösung: Kombination von Tavor und Midazolam. Je schneller man reagiert, desto besser. Die einmalige Einnahme dieser Mittel stellt ja kein Problem dar.
Wir hatten Gelegenheit, diesen Ansatz innerhalb des letzten halben Jahres zweimal zu testen (also nur zwei kleine Anfälle in diesem relativ langen Zeitraum!). Ich habe die erforderlichen Infos und Anweisungen für den Notarzt hinterlegt – und es hat perfekt geklappt. Die Patientin konnte zu Hause bleiben. Der Notarzt hat das Ganze sehr belobigt. Besonders gefreut hat mich die gute Zusammenarbeit (im Unterschied zu den Krankenhausmedizinern).
Um für Klarheit zu sorgen: Dargestellt habe ich auch unsere Prophylaxemaßnahmen (denn das ist der eigentlich Schlüssel). Ich fasse sie hier kurz zusammen; vielleicht interessiert es den einen oder anderen Leser:
„Zur Vermeidung von Krampfanfällen haben wir umfangreiche Maßnahmen auf BIOCHEMISCHER Grundlage getroffen und konnten so bereits über längere Zeit (mehr als 10 Wochen) ein solches Ereignis vermeiden. Primäre Steuerungskriterien: Blutdruck, Blutzucker, Frequenz der Hirnströme.
Wir stellen durch engmaschige tägliche Kontrollen sicher: Sehr gute Blutdruckwerte, einen sehr niedrigen Blutzucker (90 – 110, Tagesspitzen nicht über 125), ferner eine adäquate Psyche (Vermeidung von Stress und Angst; innere Ruhe). Maßnahmen:
a) Streng ketogene (kohlenhydratarme), ketosenahe Ernährung.
b) Komplette Mikronährstoffversorgung zur allgemeinen Stabilisierung und Rehabilitation.
c) Einsatz der essenziellen Aminosäure Tryptophan als Antiepileptikum und Antidepressivum.
Levetiracetam und Lamotrigin hat die Patientin selbst in niedriger Dosierung nicht vertragen (Schwindel, Übelkeit, extremer Durchfall, Kopfschmerzen, Angst, Apathie …). Eine Fortführung dieser Medikation war ethisch unvertretbar. Es blieb uns daher keine andere Wahl, als diese Mittel abzusetzen bzw. zu ersetzen. Dies wurde den behandelnden Ärzten auch mitgeteilt.“
Die Patientin hat sogar gelernt, ihre Psyche zu steuern, etwa mit dem Leitsatz: Mir geht es gut, ich bin zufrieden. Das freut mich besonders.