28.07.2019
Lieber Ingo,
"Wie lange ansonsten Veränderungen gedauert haben, darüber können wir doch nur spekulieren."
Über die groben Zeiträume/Größenordnungen braucht man nicht mehr spekulieren. Ob so ein Prozess nun 1.000.000 Jahre oder 1.100.000 Jahre gedauert hat ist irrelevant, wenn man einen Prozess dagegen stellt, der nur 100 Jahre oder 150 Jahre dauert.
"Es gab immer Veränderungen hier. Das gehört zum Leben."
Das Problem sind ja nicht Veränderungen an sich, sondern das Tempo, mit dem sie stattfinden. Die Dinos haben seinerzeit auch nicht mit dem Veränderungstempo schritthalten können und sind größtenteils ausgestorben.
Aktuell finden diese Veränderungen in einem Tempo statt, dass den Menschen und viele Ökosysteme in Bezug auf Anpassung/Adaption zu überfordern drohen. DAS ist ein Problem.
"An der Tatsache, daß es, wenn es wärmer ist/mehr CO2 in der Atmosphäre vorhanden ist, kann ich nichts Schlechtes feststellen."
Ich schon. Weil sich dadurch global das Wettergeschehen und das Klima ändert. Lebesräume in ihrer Anpassungsfähigkeit überfordert werden. Was nützt den Pflanzen das schönste CO2 zum Wachsen, wenn sie in einem Dürregürtel kein Wasser bekommen?
Was nützt das schönste Pflanzenwachstum, wenn Inlandeis (Grönland, Antarktis, Gletscher) schmlizt und der Meeresspiegel ansteigt und Landflächen dauerhaft überflutet werden; viele der größten Metropolen liegen in Küstenbereichen und drohen innerhalb von wenigen Generationen die dortige Lebensgrundlage zu verlieren? DAS ist ein Problem.
"Immerhin gibt es mehr zu Essen ... und wir haben sehr viele hungernde Menschen"
Bei einem globalen Shift der Niederschläge ein fragwürdiger Ansatz (s.o.)
Zumindest entnehme ich deinem Beitrag, dass du wenigstens in Betracht ziehst, dass der CO2 Anteil in der Atmosphäre steigt und dass es global gesehen wärmer wird. Wenn ich dich nun richtig verstanden habe, siehst du die sich daraus ergebenden Implikationen allerdings nicht als Problem.
Nun, ICH sehe sie als Problem. Als globales und auch als lokales Problem.
Ob die anstehenden, anthropogen verursachten globalen Veränderungen ein Problem sind, ist aber zumindes eine andere Diskussion, als diese Veränderungen und ihre Ursachen (Mensch) grundsätzlich in Frage zu stellen, bzw. zu negieren.
LG, Thorsten.
PS: in den letzten 2-3 Sommern ist mein Rasen trotz höherem CO2 erkennbar nicht besser gewachsen; ganz im Gegenteil 
Liebe Gundula,
der CO2 Anstieg ist Fakt; braucht man nicht diskutieren oder eine Meinung zu haben. Ist einfach so; gemessen(!).
Die Geschwindigkeit mit der dieser Prozess stattfindet ist aus den Messungen abgeleitet, damit auch Fakt. Da muss man auch nichts zu meinen.
Wo das CO2 herkommt kann mit sehr gorßer Sicherheit bestimmt und berechnet werden. Geförderte und verbrauchte fossile Energieträger lassen sich global erfassen und bewerten. Die Reaktionsschritte bei der energetischen Umsetztung sind bekannt. damit läßt sich die menschgemachte CO2 Menge bestimmen zwar mit einer Schwankungsbreite im einstelligen Prozentbereich, aber Fakt. Man kann sicher eine Meinung zu den Nachkommastellen haben, aber das ändert an der Systematik und am Großen Ganzen nichts.
Der Beitrag von CO2 am Wärmehaushalt der Atmosphäre läßt sich gut berechnen (Absorptionsvermögen). Auch, was ein Anstieg bedeutet. Fakt. Dass unser globales Klima und Wettergeschehen deutlich weniger robust gegenüber Veränderungen ist, muss sich erst noch in den Mainstreamköpfen der Allgemeinheit ausbreiten; Experten wissen das heute schon. Semi-Fakt.
Eine Meinung und eine Diskussion sind durchaus angemessen in der Frage, ob diese Veränderungen eine Bedrohung für uns darstellen (Anstieg Meeresspiegel, Gletscherschmleze, Temperaturerhöhung, Verschiebung der Niederschlagsprofile, mehr Extremwetterereignisse, Dürren, etc. ).
Meine Meinung hierzu is ganz klar JA. Und meine Meinung ist auch, dass wir diese Probleme schon heute angehen müssen und sie nicht auf nachfolgende Generationen abwälzen dürfen.
Beim Entzug / Verlust der menschlichen Lebensgrundlage(n) ist ein Bagatellisieren fehl am Platz. Schlimmsten Falls hat man aus den falschen Gründen trotzdem das Richtige getan (=> Nachhaltigkeit). Im umgekehrten Fall hat man alle Chancen für die Zukunft verspielt, auch wenn man selber ein "schönes" Leben hatte.
Ist wie mit Krebs. Man kann schon im Vorfeld versuchen ihn zu vermeiden, selbst wenn man ihn vielleicht nie bekommen hätte. Wenn man wartet, bis es zu spät ist, ist es eben auch oft mals zu spät. Ob einem dann das "schöne" Leben davor (mit allen ernährungsmäßigen Verfehlungen) ein Trost ist? Ich denke, man kann beides haben.
LG,
Thorsten