01.11.2021
Sehr geehrte Forenteilnehmer und Leser,
in den letzten Tagen sind wieder viele Aussagen zusammengekommen, die einer differenzierteren Betrachtung bedüfen, um sie kontextbezogen sinnvoll einordnen zu können.
Zum Thema Tote durch Impfung, mit Bezugnahme auf den Sicherheitsbericht des Paul Ehrlich Instituts (PEI) wurde geschrieben:
"Dazu gehört, dass man an dieser Impfung sterben kann. Über 1800 Menschen sind in Deutschland innerhalb von 10 Monaten an der Impfung gestorben."
Dazu sollte berücksichtigt werden, dass es sich hierbei um Verdachtsfälle handelt. Diese kann jeder auf den entsprechenden Meldeseiten melden. Dazu muss man kein Arzt oder in besonderer Weise akkredidiert sein. Es ist sogar vorstellbar, dass hier gezielt in Richtung höherer Todesfallzahlen gefälscht und manipuliert wird.
Zum Thema Infektiösität von Geimpften hieß es
"Übertragen werden kann das Virus doch genauso, wenn geimpft wurde."
Zur Zeit ist die Erkenntnislage so, dass Geimpfte sehr wohl infektiös sein und das Virus weitergeben können. Allerdings höchstwahrscheinlich mit einer geringeren Viruslast und über einen kürzeren Zeitraum. Im Zusammenhang mit der Impfung, speziell bei Kindern, wird gerne darauf hingewiesen, dass es um den individuellen Schutz des Geimpften ginge, nicht um den Schutz der Mitmenschen. Sollte das unter diesen Umständen keine Gültigkeit/Relevanz haben?
Es wurden Impfnebenwirkungen zu Corona mit denen der letzten 20 Jahre verglichen und auf eine scheinbare Häufung hingewiesen. Das mag durchaus zutreffend sein, auch wenn keine Vergleichszahlen über die Anzahl der bezogenen Impfunge der letzten 20 Jahre genannt wurden. Allerdings ist das ein wenig sinnvoller Vergleich. Vergleichen sollte man die Gefahren, die durch eine Impfung drohen können, mit denen, die durch eine Infektion drohen können. Hier sind für eine Risikoabschätzung Schwere und Häufigkeit immer gemeinsam zu betrachten. Herr Thorsten St. hat das Risiko, an dem Virus oder an der Impfung zu sterben schlüssig vorgerechnet. Für unterschiedliche Altersgruppen fiel das Risko bei Impfung immer signifikant geringer aus, als bei einer Infektion.
Hier die Fragestellung bemühen zu wollen, ob die Betroffenen an oder mit Corona verstorben sind ist müßig, ließe sich diese doch auch bei der Frage nach den im Zusammenhang mit der Impfung Verstorbenen stellen.
Coronattote wurden auch zum wiederholten Male mit anderen Todesursachen verglichen. Ja, auch Todesursachen wie Krebs oder Herzkreislauf-Erkrankungen sind tragisch, allerdings breiten sie sich nicht durch Infektion von einem zum anderen Menschen aus. Ein krebskranker Ski-Fahrer steckt eben nicht beim Aprés-Ski viele andere mit seinem Krebs an. Ein Coronainfizierter dagegen u.U. sehr wohl. Auch stellt sich Frage, in wie weit es eine Argumentationsbasis darstellt, Maßnahmen gegen eine Todesart mit fehlenden Maßnahmen gegen eine andere Totdesart ablehnen zu wollen.
Es wurden die aktuellen Zahlen von Intensiv-Patienten mit denen von vor einem Jahr verglichen. Dabei wurden Unterschiede im Pandemieverlauf, den eingeführten und umgesetzten Maßnahmen, sowie den unterschiedlichen Virusvarianten leider vollständig ignoriert. Auch muss leider zum wiederholten Male darauf hingewiesen werden, dass eben nicht in großem Stile Intensivbetten im Verlauf des letzten Jahres abgebaut wurden, sondern dass sich primär die Zählweise geändert hat, hin zu personell betreibbaren Intensivbetten.
Der Nutzen der Impfung wird angezweifelt, da es aktuell wieder eine starke Zunahme bei den Neuinfektionen gibt. Ja, das ist in der Tat zu beobachten und es ist sicher auch Besorgnis erregend. Allerdings sollte man einen Blick darauf werfen wer sich denn neu infiziert. Hier sind zu einem deutlich überwiegenden Teil Ungeimpfte betroffen, obwohl sie einen immer kleiner werden Teil der Bevölkerung ausmachen.
"sowohl Neuinfektionen (7-day average) als auch Todesfaelle (7-day average) sind schon vorm dem Winter hoeher als im Vorjahr ohne Impfungen"
Das trifft derzeit zu. Ob sich das auch in den nächsten Tagen weiter so fortsetzt, wird man abwarten müssen. Schließlich befanden wir uns vor genau einem Jahr in einer der stärksten Steigerungsphasen hinsichtlich Neuinfektionen. Schon in wenigen Tagen könnten sich die Zahlenverhältnisse daher massiv umkehren.
Nach wie vor muss man anerkennen, dass Geimpfte zu einem geringern Anteil erkranken / schwer erkranken / sterben, als Ungeimpfte. Die Impfung bietet also immer noch eine hohe Schutzwirkung, wenn auch keine 100%.
Die Frage, die sich jeder stellen sollte ist doch, ob man das Mehr an Schutz in Anspruch nehmen möchte, oder nicht. Die aktuellen Zahlen lassen kaum einen anderen Schluß zu, als dass die Impfung in hohem Maße das Risko einer Covid-19 Erkrankung reduziert und dass die Risiken der Impfung deutlich geringer sind, als die der Erkrankung; über alle Altergruppen hinweg.
Trotzdem kann, soll und darf Jeder für sich entscheiden, sich impfen zu lassen oder nicht. Diese aktive Wahlmöglichkeit gibt es hinsichtlich Infektion und Erkrankung nicht. Es spricht auch nichts dagegen, dass jeder nach seinem Erkenntnisstand und/oder Gefühl sein persönliches Risko einschätzt; auch falsch. Es ist aber in höchstem Maße unethisch und unredlich, durch Verzerren von Fakten, unbelegete oder unwahre Behauptungen bei seinen Mitmenschen für Verunsicherung zu sorgen.
In diesem Sinne, bleiben Sie gesund.
Mit besten Grüßen
Dragan Ulrich