30.07.2019
Lieber Robert,
ich habe vor knapp 50 Jahren aufgehört, Fleisch zu essen, weil mir Fleisch meistens nicht schmeckte, habe aber damals sehr gerne Leber und Nieren gegessen, die es in meiner Kindheit gelegentlich gab. Als meine Kinder klein waren, habe ich ungefähr einmal in der Woche ein Stück Fleisch in der Metzgerei ausgesucht, durch den Fleischwolf drehen lassen und daheim sofort zubereitet. Als vor 8 Jahren mein Bioladen mit eigener Biometzgerei öffnete, nahm ich mir vor, gelegentlich Fleisch zu essen, aber es beschränkt sich jetzt doch auf Leberknödel, die ich sehr gerne esse, weil sie gut schmecken und weil ich dadurch viel Vitamin A bekomme. Als kleine Beilage zu einem Salat- oder Gemüseteller schmecken sie sehr gut. Im Sommer grillen wir mehrmals jeweils 9 kleine Nürnberger Bratwürste (zu zweit) aus der Biometzgerei und genießen die ebenfalls mit sehr viel Salat.
Bis vor ein paar Jahren hatte ich eine Bekannte, die immer 12 Hühner hielt, die alleine 400qm Wiese zur Verfügung hatten. Das waren sehr gute Eier und ich aß sehr viel. Momentan esse ich vielleicht noch 6 Demeter-Eier im Monat, für die pro Ei 2 Cent extra bezahlt werden, damit auch die männlichen Küken aufgezogen werden.
Ich fragte meine Bekannte damals, ob ich einmal eine Henne für eine Suppe haben kann, bevor sie sie wieder weggibt und junge kauft. Sie sagte, ich kann auch alle haben, aber sie schlachtet kein Tier und ich müsste das selber machen. Da habe ich lieber auf die Hennen verzichtet.
Wenn jeder in diesen Mengen oder in der fünffachen oder auch zehnfachen Menge Fleisch und Eier äße, dann bräuchte es keine Massentierhaltung und die Tiere könnten gut gehalten werden.
Eier kombiniere ich grundsätzlich mit Kartoffeln, da ich dadurch die höchste Bioverfügbarkeit herausholen kann.
Ich kaufe alles, was wir essen im Bioladen, aber von dem gesamten Angebot vielleicht 10%, da ich nichts Fertiges kaufe, sondern aus Grundzutaten alles selbst zubereite. Ich kaufe auch keine Öle mehr, da ich lieber geschnittene Oliven oder Schafskäse oder gemahlene Nüsse und Leinsamen in den Salat gebe und auf Gemüse schmeckt mir erst richtig mit einem Stück Butter.
Eiweiß bekomme ich genug durch Hülsenfrüchte und geschickte Kombination mit Reis oder Quinoa und Wildkräutern.
In allen Hotels, in denen wir in den letzten Jahren waren, gab es immer 4 Hauptgerichte
Fleisch, Fisch, regional und vegan bzw. vegetarisch. Vegan habe ich da noch nie gegessen, da in meinen Mund keine Margarine oder Kunstkäse oder anderes Künstliches kommen darf. Vegetarisch esse ich auch nicht, da dies in Bayern oder Österreich meistens eine „Mehlspeise“ ist, aber ich esse nichts mit Zucker.
Wir buchen auch nur Hotels, die sehr viel Regionales und viel Bioqualität anbieten.
Ganz auf tierische Produkte in kleinen Mengen möchte ich nicht verzichten, aber ich habe Respekt vor jedem, der sagt, dass für ihn keine tierischen Produkte in Frage kommen. Diesen Respekt sollte eigentlich jeder haben. Als „verbohrter Veganer“ sollte niemand beschimpft werden.