23.04.2021
Hallo Carlos,
"Wenn man mit Zahlen argumentiert, sollte man die auch die richtige Bemessungsgrundlage wählen."
Ja, gehe ich mit. Welche ist die Richtige?
"Offensichtlich muss man in Deutschland zwei Gruppen unterscheiden, die unterschiedlich von Corona betroffen sind."
Warum? Was mach das so offensichtlich? Aktuell liegt das Durchschnittsalter der Covid-19 Intensivpatienten bei <60(!)
"Das Durchschnittsalter der Coronatoten liegt bei 85 Jahren (entspricht etwa der durchschnittlichen Lebenserwartung)."
Und die kann man ruhig sterben lassen?
"Insgesamt sind bisher "nur" rund 3 % der Bevölkerung überhaupt "infiziert""
Sagen wir: Bis jetzt sind . fast 4% der Bevölkerung positiv getestet und damit als infiziert (nicht notwendigerweise auch erkrankt!) ermittelt worden. (3,245Mio Infizierte / 83,02Mio Einwohner = 3,9%)
"und 85 % (+-) haben keine Symptome."
Ich sehe hier eher 20-30%.
The overall estimate of the proportion of people who become infected with SARS-CoV-2 and remain asymptomatic throughout infection was 20%
https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1003346
"Das die Risikogruppe geimpft werden muss, wird kaum jemand bestreiten."
Da unterscheiden sich unsere Wahrnehmungen hinsichtlich des "wird kaum jemand bestreiten." anscheinend.
"Um die Risiken durch Impfungen vergleichen zu könnnen, muss man die Zahl der Toten der richtigen Risikogruppe zuordnen."
Warum diese Fixierung auf den Tod als Endpunkt? Dann zählen aber bitte auch nur Impftote dagegen.
"Es mag ja sein, das Durchimpfen der Bevölkerung insgesamt erforderlich ist."
Ich begrüße dieses Zugeständnis sehr.
"Es ist aber nicht so übersehen, das diese Gruppe evtl. mit Impfstoffen mehr Probleme bekommt als durch Corona."
Das mag für einzelne Idividuen durchaus zutreffen. Es geht hier um eine valide Nutzen-Risiken-Abschatzung. Wenn deine persönliche Einschätzung für dich hier zu einem anderen Ergebnis kommt, steht es dir ja nach wie vor frei, dich nicht impfen zu lassen, bzw. noch abzuwarten, wie sich die möglichen Impffolgen entwickeln. Ich hätte mich im Dez./Jan. auch nicht um einen der ersten Impftermine bemüht.
"Wie man jetzt schon gesehen hat, ist das Impfen für diese Gruppe ein riskantes Experiment. ( Astra-Zenica und JJ sind nicht grundlos gestoppt worden )."
Dann ist es doch völlig richtig, dass man im Zuge von neu gewonnenen Erkenntnissen hier Anpassungen und ggf. Einschränkungen vornimmt und ggf. auf andere Impfstoffe ausweichen kann. Der große und einmalige Vorteil ist ja gerade, dass aufgrund weltweiter Impfkampagnen mit vielen Beteiligten Erkenntnisse im Zeitraffer gesammelt werden können. Das Erkennen der Sinusvenenthrombosen-Problematik hätte sonst vielleicht Jahre oder Jahrzehnte gedauert, weil niemandem eine wirkliche Häufung in diesem Zusammenhang aufgefallen wäre.
"Erst hieß es das A nur für Leute unter 60 geeignet ist. Jetzt ist es hochwirksam für Ü-60 Jährige ?"
Nein, hieß es nicht. Die anfängliche Einschränkung auf U-60 war damit begründet, dass es keine ausreichend umfangreichen Studiendaten für die Altersgruppe der Ü-60 gab. Es ging eben genau nicht darum, dass es bei den Ü-60 unwirksam oder weniger wirksam wäre. Es lagen einfach noch nicht genügen Daten für diese Altersgruppe vor. Das ist ein Unterschied; für mich zumindest. Etwas noch nicht zu wissen ist kein Beleg für das Gegenteil.
"Es ist auch jetzt schon absehbar, dass die Impfungen jedes Jahr erneuert werden müssen"
Das ist zum aktuellen Zeitpunkt in der Tat nicht sicher auszuschließen; wenn man einen möglichst dauerhaften Impfschutz haben möchte. Aber, hier greife ich dann mal auf den Vergleich mit der Grippe zurück: Bei Grippe ist es ähnlich. Hier gibt es durch die Impfung auch nur einen saisonalen Schutz. Und auch andere Impfungen müssen in unterschidlichen Zeitabständen wieder aufgefrischt werden. Keine wirklich große Sache, solange kein gesetzlicher Dauer-Impfzwang dazu kommt.
"und Langzeitfolgen nicht abgeschätzt werden können."
Das betrifft die Corona-Infektion in gleicher Weise. Wie gesagt, unterm Strich geht es um eine Nutzen-Risiko-Abschätzung. Und von vielen Imfgegnern / Impfkritikern kommen hier leider keine brauchbaren Gegenüberstellungen / Vergleiche, sondern nur Bauchgefühl, Behauptungen oder Framing und Fake-News.
Wenn du das ganze mal zahlenmäßig aus deiner Sicht zusammenstellen würdest, könnte man z.B. darüber diskutieren; zumindest über das Zustandekommen der Zahlen. Ich würde dann erwarten, dass es nicht nicht "die" eine Sichtweise gibt, sondern dass man sich in einem Zahlenkorridor bewegt und dann unterschiedliche Szenarien betrachten kann/muss, die erst im Nachhinein mit der Realität abgeglichen und verifiziert werden können. Aber man käme zumindest von Pauschalisierungen, bloßen (Falsch)Behauptungen und Dogmen weg.
LG
Thorsten