14.09.2023
"Für mich ist der Zug "Bekämpfung des Klimawandels" abgefahren. Wie seht ihr das?"
Wenn "Bekämpfung des Klimawandels" bedeutet, Selbigen zu verhindern, bin ich bei dir. Der Zug ist abgefahren. Der Klimawandel mit globaler Erwärmung findet statt und ist auch schon entsprechend fortgeschritten. Wir werden ihn zu unseren Lebzeiten weder stoppen, noch zurück drehen.
Ich gehe aber nicht mit der Ansicht konform, dass das eine Rechtfertigung sein kann, jetzt nicht mit entsprechend hohem Einsatz gegen den Klimawandel zu arbeiten. Zum Einen geht es darum die Dynamik abzuschwächen um mehr Zeit und Möglichkeiten für Anpassungen zu gewinnen. Quasi "flatten the curve". Wenn ich auf eine Wand zurase und bereits weiß, dass ein Zusammenstoß unvermeidlich ist, bin ich trotzdem gut beraten, bestmöglich zu bremsen, um die Folgen und Auswirkungen zu minimieren.
Im Bereich Klimawandel und globale Erwärmung erleben wir bereits jetzt, bei vorerst "nur" 1-1,2° Erwärmung, was das für Extremwetterereignisse bedeutet (wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit/Wassser und damit auch mehr Energie aufnehmen). Man kann bereits jetzt schon gut abschätzen, was eine weitere Erwärmung bedeuten würde. 2°C, 2,5°C, 3°C.
Wenn man dann noch bedenkt, wieviele Menschen in küstennnahen Bereichen leben (~3,5Mrd. Menschen leben im Bereich bis 60km Entfernung von Küsten), bekommt man eine Idee, was eine noch weitere Zunahme an Stärke und Häufung von Extremwetterereignissen bedeuten kann. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass das presiwerter wird, als jetzt in Richtung einer nachhaltigen, CO2 armen Energieerzeugung unzustellen und die Wirtschaft mehr Richtung Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit zu transformieren.
Gerade für Deutschland, mit nur begrenzten eigenen Ressourcen, sind Kreislaufwirtschaft, Recykling und nachhaltige Energieerzeugung Maßnahmen zur Stabilisierung und Sicherung der Wirtschaft und zum Abbau von Abhängigkeiten. Das eine derartige Transformation ihrerseits Zeit, Geld und Ressourcen benötigt und natürlich auch "ungeschickt" durchgeführt werden kann, ist dabei unbenommen. Aber Nichtstun oder ein Weiter-So, sehe ich nicht als Alternativen. Gestezesvorhaben mit der Brechstange und ohne ausreichenden Vorlauf durchdrücken zu wollen, kann da durchaus kontraproduktiv sein, negiert aber nicht die grundsätzliche Notwendigkeit zur Transformation. Man denke nur an das unsägliche Wärmepumpen-Thema. Natürlich ist eine Einführung dieser Technoiogie sinnvoll und machbar. Unsere europäischen Nachbarn (Dänemark, Schweden, Norwegen) machen es vor; haben aber aber deutlich frühzeitiger begonnen und dadurch mehr Zeit und Akzeptanz für die Maßnahmen. Wer natürlich 16 Jahre schläft, muss dann hinterher eben mit größerem Aufwand und Widerständen rechnen. Ähnlich "ungeschickt" ist es natürlich, Infrastruktur wie Stromnetze an Gesellschaften zu verkaufen, die primär Interesse an Gewinn und nicht an Netzausbau haben. Auch diese Versäumnisse der Vergangenheit fallen uns derzeit wieder auf die Füße und verursachen zusätzliche Kosten und Verzögerungen.
Stellt sich die Frage, ob wir jetzt erneut verzögern und bremsen wollen, um erwartbar höhere Folgekosten und Probleme zu befeuern. Wenn wir erstmal deutlich mehr für die Schadensbeseitigung oder das Schadensmanagement ausgeben, wird es umso schwieriger, die Kosten für die Transformation zusätzlich aufzubringen.
Konkretes Beispiel aus der persönlichen Praxis/Erfahrung: Aktuell kann ich die Installation einer PV Anlage stemmen und meinen Energiebezug (Strom, Gas, Kraftstoff) spürbar reduzieren. Es ist fraglich, ob mir das in 10 Jahren, bei den dann erwartbaren Energiekosten für Strom, Gas, Kraftstoff auch noch möglich wäre. Also nehme ich jetzt gewisse Einschränkungen, Kosten und Aufwände in Kauf, um in wenigen Jahren eben besser dazustehen (idealerweise nicht nur relativ, sondern absolut). Kann ich mir dabei 100% sicher sein, dass meine Rechnung aufgeht? Nein, kann ich nicht, ein Restrisko bleibt. Jetzt nichts zu tun ist aus heutiger Sicht aber eben nicht risikoärmer.