15.09.2023
"Seit die Dinger aus sind, sind wir Importeur. Was passiert im Winter?"
Wir schalten ~3GW AKW ab und importieren die doppelte bis dreifache Menge dessen, was wir abgeschaltet haben?!? Da wird es dann wohl noch andere Gründe geben müssen, als nur den Wegfall der drei AKW, oder?
Könnte nicht auch ein Grund sein, dass der importierte Strom einfach billiger zu haben ist? Z.B. EE Überschüsse aus DK, S, N, CH?
Und was im Winter passiert (in dem kommenden, nicht einem in 10Jahren+) werden wir in wenigen Wochen / Monaten sehen:
Die Franzosen werfen ihre Strom-Widerstandsheizungen an.
Ihre AKW werden den Strombedarf nicht vollständig decken.
Sie werden aus dem Ausland (auch Deutschland) Strom importieren müssen.
Deutschland wird wieder zum Netto-Strom-Eporteur.
In Deutschland werden die WKA die saisonal sinkende PV kompensieren, so dass im Winter ggf. sogar mehr EE-Strom erzeugt wird, als im Sommer.
https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/15.09.2022/15.09.2023/today/
Was LNG Importe aus Russland angeht, ja, das sehe ich auch kritisch. Davon sollte man sich verabschieden/distanzieren.
Allerdings sollte man mal auch einen Blick auf die Relationen werfen:
EU countries bought 22m cubic metres of Russian LNG between January and July 2023, compared with 15m during the same period in 2021, Global Witness said.
LNG Importe sind also im Vergleichszeitraum von 1/2 Jahr von 15 Mio m³ auf 22Mio m³ gestiegen. Die Importe über Pipelines sind dazu im Vergleich von ~2.300 Mio m³ auf ~600Mio m³ gesunken; pro Woche(!).
Rechnet man beides auf ein Jahr hoch und berücksichtigt die 600fach höhere Dichte von LNG gegenüber Gas:
LNG: Zuhnahme um 8.400 Mio m³/a
Pipeline: Abnahme um 88.400 Mio m³/a
D.h. die Zunahme der EU Russland-LNG Importe kompensiert gerade mal ~10% des Rückgangs des Pipeline-Bezugs.
Es sollten sich durchaus Wege finden lassen, das auch noch durch andere Quellen/Energieträger zu ersetzen.
"Was sind die Alternativen?"
Jeder kann für sich und seine Lebenssituation durchrechnen, wann sich was, wie für ihn lohnt/rechnet. Das die Energiepreise in nächster Zeit nennenswert sinken, braucht man wohl nicht zu erwarten. Da kann sich dann z.B. schnell ergeben, dass eine private PV Anlage sich schon in den nächsten 5-10 Jahren amortisiert. Also warum nicht machen? Man muss es ja nicht aus ideologischen Gründen machen oder um die Welt/das Klima zu retten. Man kann es ja auch einfach machen, weil es wirtschaftlich ist.
Auch fehlt mir mal eine Betrachtung der prognostizierten Kosten für den Vergleich "Aktionismus jetzt" vs. "Schaden-/Folgenmanagement später". Gibt es eine aussagkräftige Studie, Untersuchung, Berechnung oder Prognose, die die aktuellen Kosten des Klimaschutz den zu erwartenden Kosten mit vs. ohne "Klimaschutz jetzt" gegenüber stellt?
Oder kommt dabei nur heraus, dass man wieder einmal (Folge)Kosten auf andere Länder und spätere Generationen out-sourced?
Ich weiß es nicht. Ich nehme nur an, dass späteres Handeln teurer wird; so wie ein Totalschaden beim ungebremsten Fahren gegen die Wand teurer wird, als "nur" ein verbeulter Vorderwagen.
"So viel Dilettantismus, die machen sich doch weltweit lächerlich! "
Thomas, da bin ich ja grundsätzlich bei dir. Aber das ist meiner Ansicht nach eben kein Grund, es zu lassen, sondern es besser zu machen.