Thomas,
ich glaube, du verkennst da die Historie.
Unter den Merkel Regierungen wurden 14 von 17 AKW abgeschaltet. Kohle(!), Öl und Gas wurden explizit als Übergangstechnologien/-alternativen eingestuft. Unter Grüner Beteiligung wurden lediglich drei verbleibende AKWs nach einer Laufzeitverlängerung (gegen den Willen der Betreiber) abgeschaltet.
Es ist eben nicht so, dass wir eine Problem mit konventioneller Stromerzeugungskapazität hätten. Die von dir gepostete Situation mit Transnet BW ist einzig dem Umstand geschuldet, dass Transnet eben nicht für ein kurzfristiges Anfahren konventioneller Reservekraftwerke tief in die Tasche greifen wollte.
Zur Einordnung: Der Anteil privaten Stromverbrauchs (und nur um den ging es bei dem Sparaufruf) beträgt ca. 25% des Strombedarfs im TransnetBW Netz. Davon sollten die App-Nutzer (also längst nicht alle, also auch kein allgemeiner Aufruf "an die Bevölkerung") Stromverbrauch möglichst aus dem kritischen Zeitfenster herausschieben. Ich glaube das fragliche Zeitfenster lag zwischen 06:00 und 14:00 Uhr. Das Ganze Thema ist also eines, das die Wirtschaftlichkeit des Netzbetreibers betrifft, um Kosten zu reduzieren. Es ist eben kein Thema, das die Stromversorgung oder Netzstabilität als solches betroffen oder inFrage gestellt hätte. Der Netzbetreiber hat das für ihn günstigste/wirtaschaftlichste Vorgehen gewählt. Eine wirkliche Blackout Gefahr oder Stromversorgungunsicherheit hat nicht bestanden.
Ich finde das Verhalten von TransnetBW clever und umsichtig; ökonomisch und ökologisch. Inwiefern die Stromkunden daran wirtschaftlich partizipieren (z.B. durch niedrigere Strompreise) steht auf einem anderen Blatt.
Wie das ganze bisweilen medial oder propagandistisch ausgelschachtet wird, ist teilweise mehr als fraglich.
Grundsätzliche Abhilfe vor solchen Situationen kann auf mehrere Arten erreicht werden, z.B.:
- Netzausbau
- Aufbau von Pufferspeichern (Pumpspeicher, Akku, ...)
- Digitalisierung der Stromnetze und besseres Lastmanagement
- Mehr EE (PV, WKA, Biogas)
"Notwendiges wurde völlig falsch umgesetzt."
Ja, das muss man Rückblickend leider so sagen. Betrifft aber eben nicht (nur) die letzten 2 Jahre, sondern die letzen 20 Jahre.
Ich finde es nur immer bedenklich, wenn man - dem einfachsten Impuls folgend -kollektiv auf eine gemeinsames, geschaffenes vermeintliches Feindbild eindrischt.
Gilt auch für die Bauernproteste. Angeblich geht es aj nicht nur um Agrardiesel und Subventionen, sondern auch insgesamt um Strukturprobleme und überbordende Bürokratie. In den letzten 25 Jahren wurde das Landwirtschaftsministerium, abgesehen von 2001-2005 und ab Dez 2021 durchgehend von CDU und CSU geführt. Und das, wo Bauern i.d.R. CDU/CSU wählen oder sogar Parteimitgleid sind und in entsprechenden Gliederungen sitzen.
Seit 2017 fordert der Bundesrechungshof eine Reform/Abschaffung der Agrardieselsubventionen und hat diese Forderung Anfang 2023 erneuert. Mitte Dezember 2023 beschließt der Rechnungsprüfungsausschuss einstimmig, mit den Stimmen der AFD und CDU, dass Finanzminister Lindner einen Gesetzentwurf präsentieren soll, der die Steuerbefreiung für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge schnellstmöglich aufhebt!
Und von wem wird jetzt auf wen eingedroschen?
Da wird eine dermaßen aufheizte Hetz- und Schmierenkampagne gefahren, dass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann, wenn man mal hinter die Fassade schaut...