01.06.2016
Thomas, diese 100g-Grenze ist mir neu bzw. wage ich zu behaupten, dass es diese nicht gibt - ja, gar nicht geben kann! Denn das würde ja bedeuten, dass ein 50 kg leichtes Weibchen (dazu zähle ich mal Mira, wenn ich ihre Zahlen richtig interpretiere) und ein fast doppelt so schweres, hart trainierendes Männchen (dazu zähle ich mal Dich, auch wenn das bloß ein Schuss ins Blaue ist) die gleiche Grenze hätten. Kann ja wohl nicht sein ;-). Also kann es auch nie einen fixen, allgemeingültigen Zahlenwert geben.
Wenn man sich die diversen Studien zu low carb Diäten ansieht, dann sieht man, dass die diesbezüglichen KH-Gaben auch stark differieren. In einer oft zitierten, leider schlecht gemachten Studie sehen die Autoren zum Beispiel 140g KHs pro Tag als Low Carb Diät an. Oft wird aber bereits bei nicht einmal der Hälfte dieses Wertes bereits die Grenze gesetzt, obwohl das dann – zumindest vom KH-Anteil her – wohl schon eher in Richtung ketogene Diät geht. Wiederum andere sprechen bereits von „low carb“, wenn die Kohlenhydrate gegenüber der DGE-Ernährung bloß reduziert sind. „Carb reduced“ wird dann schnell mit „low carb“ gleichgesetzt. Bei 55 % KHs und, sagen wir mal, 2.000 kcal pro Tag (wie eine typische DGE-Empfehlung für Frauen lautet), wären das rund 270 g Kohlenhydrate. Eine Ernährung mit bloß 200g KH pro Tag würde dann vor dem Hintergrund der DGE-Empfehlungen mitunter auch schon als „low carb“ durchgehen.
Es gibt also keinen allgemeingültigen, absoluten Zahlenwert als Grenze zwischen „low carb“ und „normal“. Allenfalls könnte man den Versuch machen, die KH-Menge auf das Körpergewicht (noch besser: auf die magere Körpermasse) zu beziehen, wie ich es in einem früheren Beitrag vorgeschlagen hatte. Aber selbst da sind wohl die individuellen Unterschiede zu groß, als dass man da eine allgemeingültige Grenzdefinition treffen könne.
Und weil ich schon online bin … zur No-Carb-Definition unseres Doc:
Natürlich hat er immer wieder darauf hingewiesen, dass „no carb“ allenfalls eine anzustrebende Stoßrichtung, eine Tendenz aufzeigen solle, aber es war doch niemals wörtlich zu sehen. Auch, weil das ja gar nicht möglich wäre. Selbst in so etwas Unverdächtigem wie einem Hühnerei steckt ja schon rund ein halbes Gramm KH drinnen. Nicht wenige essen davon gleich 10 Stück am Tag. Dazu dann noch Gemüse satt, wie es der Doc stets empfiehlt, vielleicht auch noch Milchprodukte, wenn man es verträgt,… ein „no carb“ wäre technisch ja gar nicht möglich.
Hab mir schnell zwei Buchstellen rausgesucht, wo sich das für jeden sinngemäß erschließt.
In „Das neue Forever Young“ aus dem Jahr 2014 schreibt er auf Seite 208 bei den „Iss-dich-jung-Regeln“ unter Punkt 2: „No carb! Sie lassen jetzt vier Wochen lang den Zucker weg, die Stärke weg. Keine Nudeln, kein Brot, keine Kartoffeln, keine Süßigkeiten, keine süßen Getränke. Ausnahme: Sie wollen es nicht so streng machen. Dann finden sie auf Seite 250 eine Übersicht mit Luxus-Kohlenhydraten. …“ Dies ist also eine deutliche Erklärung, dass es bei „no carb“ nicht um das Weglassen sämtlicher Kohlenhydrate geht, sondern nur gewisse Arten von Kohlenhydraten (die üblichen Verdächtigen eben) ein No-go sind.
Oder im bekannten „Tomatenbuch“ schreibt er auf Seite 116 bei den „No-Carb-Schnupperwoche-Regeln“ zum Beispiel: „Mit unseren Rezepten tanken Sie nicht mehr als 30g Carbs. Das ist sehr streng für diese Woche. Aber: so haben Sie weitere 30g Carbs, die in der Regel ganz von selbst irgendwo auftauchen. Carbs, die Ihnen einfach so untergejubelt werden. Im Medikament, das Löffelchen Honig, wenn Sie was (sic!) Süßes brauchen, der Eiweißdrink für die Nacht, die Handvoll Beeren zwischendurch.“ Auch hier also ganz klar, dass niemals ein absolut kohlenhydratloses Leben gefordert wird. Hier sind beispielsweise sogar rund 60 Gramm (30 + 30) bei „no carb“ erlaubt.
Und ich bin mir sicher, dass der Doc. das auch wörtlich so geschrieben hat, dass „no-carb“ nur als Tendenz zu sehen sei – als mehr oder weniger frommer Wunsch also -, nur finde ich die Stelle auf die Schnelle nicht.
Für mich ist klar. „No-carb“ sollte weitgehend angestrebt werden. Mit Refeed-Days und den unvermeidbaren Ausrutschern kommt man dann im Schnitt sowieso nur mehr auf ein brauchbares „low carb“. Mehr braucht es aber für die allermeisten auch nicht. So habe ICH den Doc. auch stets interpretiert. Eben auch, weil anderes ja gar nicht machbar wäre.
Und zum 500g-Schälchen Erdbeeren … in meiner Kindheit musste das für eine vierköpfige Familie ausreichen und gab es das auch nur zur Saison im Sommer. Wir waren übrigens alle schlank und fit ;-). Und bei 100g Nüssen muss man schon sehr große Hände haben, um die vom Doc. empfohlenen „Zwei Handvoll Nüsse“ nicht zu überschreiten ;-).