"Irgendwoher taucht jeden Tag in den Medien ein neuer Modellierer auf, der neue Horrorzahlen auf uns zukommen sieht. Gefühlt wird das im gesamten Ausland nicht so dramatisiert wie in Miesepeterdeutschland. Mich stört auch das die ganzen schlimmen Prognosen nie eintreten und hinterher auch keine Richtigstellung kommt."
Ein schönes Paradoxon, nicht wahr? Da wird ein Szenario mit einer gewissen Schwankungsbreite modelliert und im Zuge der Vorsicht/Vorsorge Maßnahmen ergriffen, die wenigstens im Ansatz auch einem Worst-Case-Szenario genügen. Dann entwickelt sich die Situation etwas moderater und die Maßnahmen greifen, so dass die Situation im Gesamtergebnis deutlich harmloser erscheint/daherkommt. Daraus jetzt aber ableiten zu wollen, dass die Modellierung grob falsch und übertrieben war, ist ein gewagter Ansatz.
Politik, im Sinne gesellschaftlicher Fürsorge, hat den Anspruch und die Notwendigkeit, im Zweifelsfall für die schlimmere mögliche Entwicklung vorzusorgen. Den Brunnen absperren, bevor ein Kind hereinfällt. Nicht abwarten, ob das Kind vielleicht schwimmen kann oder der Brunnen gar nicht so tief ist.
"Wie auch immer verläuft Corona überwiegend sehr mild , aber es ist nicht ausrechenbar. Die 90 Jährige, ungeimpfte Nachbarin kann Schnee schippen und zwei gut trainierte, mittelalte Personen haben vier Wochen schon erhebliche Probleme. Man weiß es nicht ! Persönlich habe ich überhaupt keine Lust wegen einer Erkrankung vier Wochen keinen Sport zu treiben."
Genau deshalb ist es sinnvoll, das vertretbar Mögliche zu tun, um Risiken zu minimieren(!). Lifestyle, Ernährung, Bewegung, Impfung, Therapieoptionen. Das ist doch alles kein "Entweder - Oder", sondern ein bestmögliches "Sowohl - Alsauch".
"Deshalb habe ich mich heute bosstern lassen. [...] Ich kann jeden verstehen, der es anders sieht und anders handelt."
Grundsätzlich ja. Aber man sollte sich bemühen, diese Entscheidung nicht auf Grundlage reiner Emotion oder fragwürdiger (Des)Informationen zu treffen. Letztere lösen ja oftmals Erstere aus. Sascha Lobo hat es in seiner SPON Kolummne als "Denkpest" treffend beschrieben.
Was ja nicht zuletzt auch hier im Forum immer wieder Stein des Antoßes war und ist, ist die allzuoft übertriebene Überdramatisierung des angeblichen Gefährdungspotenzials der Impfung. Von sich viral ausbreitendem Impfstoff, Parasiten, Chips/Nanobots, massenhaft auf Sportplätzen kollabierenden jungen Menschen, Massensterben Geimpfter im September 21, ADE, Mutation des menschlichen Genoms, Unfruchtbarkeit, angeblicher "Spätfolgen", und, und, und. Da wird "Big-Pharma" mit Impfstoffen Gewinnsucht vorgeworfen, völlig verkennend, dass Covid-(Langzeit)Kranke eine viel lukrativere Einnahmequelle darstellen.
LG
Thorsten