04.01.2022
Lieber Chris,
"Ich habe meine Corona-Infektion eigentlich gut überstanden"
Gratulation. Ich frue mich wirklich über Jeden, der diese Infektion/Erkrankung einigermaßen problemlos wegsteckt und übersteht.
"war ich tatsächlich verunsichert und bin seit x Jahren mal wieder zum klassischen schulmedizinischen Arzt, um mich durchchecken zu lassen."
Dagegen ist nicht einzuwenden. Wenn ein klassischer Arzt sein i.O. für Sport gibt, bist du zumindest auf der sicheren Seite.
"Glück hätte ich gehabt. Generell sagen viele in meinem Bekanntenkreis, dass ich Glück hatte."
Nunja, es liegt in der Natur der Sache, dass man hinterher immer schlauer ist. Vielleicht(!) wäre die Impfung ja tatsächlich die bessere Entscheidung gewesen und du hättest nicht mal Symptome verspürt.
Im Vorfeld geht es eben erst mal nur um Wahrscheinlichkeiten. Die Risikowahrscheinlichkeiten für eine Erkrankung, einen schweren Verlauf, Tot, ernste Impfkomplikationen. aber auch das Risiko / die Wahrscheinlichkeit für andere eine Infektionsquelle darzustellen; besonders für Mitmenschen, die gesundheitlich weniger gut aufgestellt sind.
Und ja, du weißt nicht, ob da nicht doch noch längerfristg/verspätet negative Effekte zu erwarten sind (z.B. durch persistierende Viren).
Du hast für dich, nach persönlicher Abwägung entschieden, dich nicht impfen zu lassen und eine Infektion/Erkrankung zu riskieren. Völlig i.o, völlig legitim.
Aus den gleichen Gründen lasse ich mich nicht gegen Grippe impfen.
Es war offensichtlich nicht falsch von dir, dich nicht impfen zu lassen. Ob es auch "richtig" war, ist eine andere Diskussion und mittlerweile irrelevant.
"Seit gut vier Jahren kenne ich Dr. Strunz und seitdem war ich jeden einzelnen Tag arbeitsfähig"
Dito, ok, sind mittlerweile fast 7 Jahre. Habe mich aber trotzdem impfen lassen.
War das die "richtige" Entscheidung? Ich weiß es nicht. Ich gehe von "ja" aus. Selbst wenn die Impfung keinen vollen Schutz bietet, gehe ich davon aus, dass sie das geringere Risiko(!) darstellt.
Wissen(!) werde ich das erst, wenn ich die Option Infektion/Erkrankung ziehe. Ich weiß ja auch nicht, ob der Airbag in meinem Auto mir das Leben retten wird (einen Unfall verhindern wird er im Zweifelsfall nicht); nicht mal, ob er überhaupt funktioniert.
"Corona hat da jetzt mit zwei/drei Tagen nicht (zu 100%) arbeitsfähig jetzt ordentlich reingehauen, für meine Verhältnisse."
Ich kenne jüngere und fittere Menschen, die von Corona deultich härter getroffen wurden. Seit 4 Wochen genesen, aber immer noch nicht beim Training belastbar (Atemnot, Erschöpfung); von voll belastbar ganz zu schweigen.
"Wegen dem Glück bin ich mir unsicher, was ich denken soll."
Mein Tip: Für dich persönlich ist die Rechnung aufgegangen, also Haken dran. Wie du dein Risiko als möglicher Spreader einschätzt und beurteilst, steht auf einem anderen Blatt. Aber mittlerweile hatten ja nahezu alle die Gelegenheit, sich impfen zu lassen...
"Wenn Bekannte/Arbeitskollegen mit zu hohem BMI, Bluthochdruck, Dauermedikation, Raucher und/oder Alkoholtrinker etwas von reinem Glück reden, dass ich nicht schwer erkrankt bin, fällt es mir schwer das anzunehmen."
Kann ich absolut nachvollziehen.
"Andererseits, wenn ich davon ausgehe, dass ich kein Glück hatte, sondern es an sauberer Ernährung, Blutuntersuchung+Auffüllen, Sport, positivem Denken und Lifestyle liegt, bedeutet das, jeder in meinem Alter, den es schwer erwischt (oder der gar stirbt), hat es selbst zu verantworten."
Wie heißt es so schön: Jeder ist seines Glückes Schmied. Betrifft Gesundheit genauso.
Aber wie schon mehrfach erwähnt, man kann das Eine tun ohne das Andere lassen zu müssen. Ich finde die Annahme nicht abwägig, dass dein Lifestyle dich auch die Impfung hätte gut überstehen lassen.
"Das wäre ein absolutes Armutszeugnis für die Menschheit."
Das Armutszeugnis ist bewußte Falsch- und Desinformation über Nutzen und Risiken von Impfung und Infektion/Erkrankung. Das Armutszeugnis ist, dass immernoch Menschen Risiken und Gefahren herbeifabulieren, die zwar ggf. theoretish möglich sind, aber in der Realität mangels Auftreten irrelevant sind.
Das Armutszeugnis sind Menschen, die auftretende Komplikationen ohne zahlenmäßige Einordnung überdramatisieren.
Das Armutszeugnis sind Menschen, die Corona und die Pandemie immernoch grundsätzlich leugnen.
Das Armutszeugnis sind Menschen, die gemeinsam mit Extremisten, Rechten, Nicht-Demokraten demonstrieren oder "spazieren gehen", ohne sich klar von denen abzugrenzen.
Das Armutszeugnis sind Menschen, die "(Corona)Diktatur" skandieren, dieses aber nur können, weil sie eben nicht in einer Solchen leben.
LG und bleib gesund
Thorsten
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