17.07.2018
Hallo Robert,
"Die Leber, so habe ich gelernt, wird schon sehr früh insulinresistenz"
Nein, eigentlich nicht. Die Leber wird insulnresistent, wenn sie über Gebühr verfettet ist, nicht durch Belastung mit Glukose.
Es ist ja gerade der Trugschluß, dass man durch Kohlenhydrate (Stärke / Glukose) insulinresistent wird. Es ist das Fett, auch und gerade aus der Kombi KH+Fett, dass Insulinresistenz begünstigt und vorantreibt.
Es kommt in erster Linie auf die Blutfettwerte an. Dabei ist es egal, ob das Fett aus der Nahrungsaufnahme stammt, oder aus dem eigenen Fettgewebe (Fettfreisetzung aus dem Fettgewebe ist annähernd proportional zur Menge/Masse des Fettgewebes).
Da bildet sich ein Teufelskreis:
* Viel Körperfett => viele Fettsäuren im Blut => zunehmende Insulinresistenz (GAU, wenn die Leber vor lauter Fett Insulinresistent wird; Diabetes, wenn die BSP mit der Insulinproduktion irgendwann überfordert ist)
* Nahrung mit viel KH und Fett => Insulinausschüttung => Insulin kann aber nicht angemessen wirken wegen Insulinresistenz => höhere Insulinausschüttung => längerer, höäherer BZ Spiegel => Insulin schaltet aber Fettstofwechsel ab
* GAU: BZ/Glukose kommt nicht in die Zellen (Insulinresistenz), Fettsäuren kommen nicht in die Zellen (Insulin schaltet Fettstoffwechsel ab) => es kommt kaum Energie in die Zelle => Zelle meldet Energiemangel => Energiemangel muss durch Nahrungsaufnahme behoben werden => Zyklus beginnt von vorne
Der Dicke, der abnehmen /metabolisch gesund werden will tut also in der Tat gut daran, KHs deutlich zu reduzieren; er verträgt sie ja sowieso nicht (Insulinresistent aufgrund hoher Blutfettwerte / Lipolyse). Erst wenn er die Fette im Blut (durch extensive Ausdauereinheiten) wegsportelt, hat er überhaupt eine Chance seine Insulinsensitivität wieder herzustellen.
"Bei den meisten Menschen sind die Lager der Muskeln voll. Weil die sich 0 bewegen."
Wenn die Muskeln voller Glykogen sind, verfügen die Muskelzellen über gute Energiereserven. Die Mitochondrien können notfalls "entkoppeln" und die überschüssige Energie verheizen oder als Standardsubstrat in Bewegung(sdrang) umsetzen; intakte Mitos vorausgesetzt.
Das "0 Bewegen" hat ja vielmehr den Grund, dass der Körper trotz ausreichender Energiezufuhr, aufgrund falscher Makronährstoffkomposition der Nahrung (Fett + KH/Fruktose) sich irrtümlich in einem Energiemangelzustand wähnt; dann wird das Aktivitätsniveau heruntergefahren und die Nahrungsaufnahme hoch ("schon wieder Hunger").
Ansonsten, wenn die Muskeln voll mit Glykogen sind, übernimmt die Leber die Einlagerung von Glykogen; ohne dadurch(!) insulinresistent oder sonstwie funktionsunfähig/funktionseingeschränkt zu werden.
Um diesen Mechanismus zum Entgleisen zu bringen, müsste man schon sehr, sehr massiv und dauerhaft extrem hyperkalorisch "gute" Carbs in sich hineinstopfen.
"Also ist die Situation bei dem Durchschnittsmichel:
1)Muskeln voll.
2) Leber: Insulinresistent. [Ja, aber nicht wegen(!) Glukose/Stärke]
Und jetzt kommt die Pizza...oder wahlweise das Stück Kuchen, die große Portion Nudeln mit Coke..."
Ja, fatal. Aber da reden wir auch schon von einem zutiefst metabolischen kranken Menschen.
"Beim sportlichen Menschen klappt das in der Regel wie Du schreibst...war bei mir auch so der Fall. Aber nicht alle sind sportlich ;-)"
Leider, in der Tat. Bewegung tut Not. Dabei ist es auch egal, ob die Laufen oder nicht. Jede Sportart taugt für eine Verbesserung. Ganz toll ist z.B. Schwimmen. Aufgrund des Auftriebs spürt man von der Schwere des eigenen Körpers nicht viel. Es werden deutlich mehr Muskelgruppen aktiviert, als beim Laufen (=> höherer Energieumsatz/-verbrauch). Zusätzlich wirkt der Kältereiz des Wasser und erhöht nochmals den Enrgieverbrauch und die physiologische Anpassung. Zudem deutlich gelenkschonender als Laufen. Lediglich BDNF wird kaum ausgeschüttet.
Auch Radfahren oder Rudern sind echte Alternativen.
"Aber man muss auch auf Glukose/Stärke aufpassen...und kann die nicht essen wie man will."
Doch, wenn man metabolisch gesund und flexibel ist (und idealerweise sportlich aktiv) und keine größeren Menge Fett in Kombination dazu vertilgt.
Stärke/Glukose + Eiweiß: geht problemlos
Fett + Eiweiß: geht problemlos
Stärke/Glukose + Fett: sehr problematisch
Viel Fructose (Softdrinks, etc.): sehr problematisch
Viel Alkohol: sehr problematisch
Alles was problematisch ist, läßt sich durch viele Ballaststoffe (etwas) verbessern.
Alles was unproblematisch ist, wird durch viele Ballaststoffe noch besser.
-- Wenn man es nicht dauerhaft übertreibt --
LG,
Thorsten