29.01.2018
Hallo zusammen!
Stimme Dir im Prinzip völlig zu, Thorsten. Man muss offen und wachsam bleiben, vor allem aber versuchen, das eigene System zu verstehen. Eine gute Entwicklung ist ohne Orientierung an den Gesetzen der Biochemie nicht zu haben. Es gibt sie tatsächlich, die glückliche Synthese, das richtige Leben im falschen.
Meine Erfahrung mit Biochemie, Epigenetik und Molekularmedizin ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Erstaunlicherweise hatte ich niemals Zweifel daran – wohl deshalb, weil ich seit etwa 2003 via Strunz & Co. organisch hineingewachsen bin und systematisch umgesetzt habe. Ich lebe alles vor und setze mich auch für meine Lieben bedingungslos ein, was im Endeffekt allen nützt.
Was ich damit sagen will: Das System Biochemie funktioniert praktisch immer, bewiesen an sehr schweren Fällen, bis hin zu Brustkrebs. Ich bin einfach nur dankbar und würde mich schämen, wenn ich die erforderliche Härte nicht aufbrächte.
Zur Frage Eiweiß, Robert: Ich habe es noch nie genau ausgerechnet. Gefühlt ist es viel, denn Kohlenhydrate fallen ja weitgehend weg und bei den Fetten achte ich inzwischen auf Begrenzung. Vier Shakes am Tag sind es mindestens, also etwa 100 g Pulver als Grundlage (was ja auch die übrigen Vitalstoffe in geringer Dosis enthält, jedoch eine spezielle Supplementierung nicht überflüssig macht). Das Pulver ergänze ich durch viele wichtige Einzel-Aminos (Carnitin, Glutamin, Whey …). Hinzu kommen Fisch, Fleisch (in Maßen), Eier, Sahnequark, Käse, Mandeln.
Der Rest beschränkt sich auf Gemüse/Salate und ziemlich hoch dosierte Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Antioxidantien. Gemüse esse ich sehr viel, jedoch kein Obst, mithin keine Fruktose (die ja ausschließlich über die Leber verstoffwechselt wird). Gegen die Fruktose habe ich mich aus prinzipiellen Gründen entschieden, brauche sie in sportlicher Hinsicht aber auch nicht. Wenn wir von Orangen und Bananen abhängen würden, gäbe es uns nicht.
Daraus folgere ich, dass meine Energiegewinnung – mangels Glukosezufuhr – recht effektiv über (freie und gebunkerte) Fettsäuren, die Glukoneogenese (glukogene Aminos) und den Cori-Zyklus, die Laktatverwertung, läuft. Ich werde es demnächst mal messen lassen. (Inwieweit IR relevant sein kann, ist eine theoretische Frage.) Mit dem jetzigen Lebensstil habe ich überdies eine sehr gute Verdauung und nie Magenprobleme, ganz im Unterschied zu früher, als ich noch Vegetarier, ja Veganer war. Manchmal gibt es Durchfall, aber nur, weil ich es mit Magnesiumcitrat gern übertreibe (Vitamin-C-Pulver hingegen macht mir gar nichts aus).
Völlig klar, Robert, Infekte sind ein Gradmesser. Die sollten bei intaktem Immunsystem nicht oder nur im Ansatz vorkommen, und ich habe auch keine mehr. Vor Jahren war das anders. Die eine oder andere heftige Erkältung schien normal zu sein nach dem Motto: Kommt drei Tage, bleibt drei Tage, geht drei Tage. Vor allem nach starker Erschöpfung war ich gefährdet, insbesondere durch Lippenherpes. All das ist vom Tisch. Zu danken ist es meines Erachtens einer kompletten Supplementierung (Vorbeugung), Aminos eingeschlossen. Was umgekehrt bedeutet, dass Misserfolge auf Defiziten beruhen. Einzelstoffe sind eher selten die Lösung. Es geht um das System.
Beispiel: Lippenherpes. Lysin (nebst Zink, Vitamin C) regelt das bei mir binnen Stunden, wenn ich reagiere, sobald das leiseste Symptom auftaucht (ein weiterer potenter Helfer ist Wasserstoffperoxid, äußerlich angewandt). Es taucht aber gar nicht erst auf, wenn man genug Eiweiß zuführt. Und die überraschende Erfahrung besagt, dass Arginin selbst in hohen Dosen unter diesen Bedingungen nicht provoziert! Gröber spricht noch von einer möglichen „Aktivierung latenter Herpesinfektion“. Burgerstein liegt aber wahrscheinlich richtig, wenn er anmerkt: „In neueren Studien hingegen wird sogar eine antivirale (viruzide) Wirkung von Arginin diskutiert“ (12. Auflage, 2012).
Weiteres Beispiel: Du hast kürzlich das Enzym DAO erwähnt, Robert. Damit hatte ich vor Jahren meine ganz eigenen Erfahrungen. Ich vermutete eine Histaminintoleranz, und der DAO-Wert war tatsächlich sehr niedrig (etwa 3). Daraufhin praktizierte ich ein Jahr lang eine histaminarme Ernährung, obwohl ein Nahrungsmittel-Screening keine Unverträglichkeiten erkennen ließ. Die Einschränkungen bei HIT sind extrem (siehe SIGHI und „HALB“-Formel). Insbesondere biogene Amine sind auszuschließen, Eiweiß also. Der KH-Anteil liegt bei 70 % und höher (was langfristig nur Sportler tolerieren können). Geholfen hat mir das nichts. Der Witz bei der Sache: Das radikale Umschwenken auf Keto und Eiweiß hat nicht nur keine Probleme erzeugt, sondern so ganz nebenbei auch noch mein Hautproblem beseitigt. Freilich habe ich auch im übrigen Vitalstoffbereich konsequent und breit supplementiert. Ich tendiere zu der These, dass das Gesamtsystem der springende Punkt ist – also nicht nur Eiweiß und Keto.
Das würde bedeuten, Robert, dass 160 g Kohlenhydrate tatsächlich kein Problem darstellen sollten. Entspricht ja nur 600 kcal, die man als Sportler, der täglich 1500 kcal allein im Training verbraucht, tolerieren kann. Die Gegengründe für mich lauten jedoch: a) Never change a winning team. b) Im Marathon haben Kohlenhydrate gegen Fettsäuren leistungsmäßig keine Chance. Vor allem im Training aber ist Lowcarb gefragt.
Einverstanden, Thorsten, es kommt auf die Langzeitperspektive an. Und natürlich braucht der Körper auch Glukose. Die Frage ist allerdings, in welchem Mischungsverhältnis aus Zufuhr, Glukoneogenese und Laktatnutzung – und inwieweit das eine das andere ersetzen kann oder sollte.
LG, Herbert