19.03.2021
Hallo Angela,
"Eine Insulinresistenz kann ich auch an meinen Zuckerwerten erkennen."
Dann bist du aber auf dem Weg zum Diabetes schon (zu) weit fortgeschritten. und hast bereits ein massives (Blut)Zuckerproblem. Oft genug mit einem bunten Strauß an Begleiterscheinungen (systemische Entzündung, Bluthochdruck, Adipositas, Fettleber(!!), Schädigung der Bauchspeicheldrüse und Gefäße, etc.).
"Und warum hat man mit einem hohen Insulinwert Diabetes, der Körper kann doch in dieser Situation gar nicht mehr genug Insulin produzieren."
Grndsätzlich richtig. Es ist hier ein bisschen eine Definitionsfrage. Bezieht man sich bei Diabetes nur auf auf (zu hohe) BZ Spiegel, oder öffnet man den Blick auch für das "Drumherum". Dauerhaft hohe Insulinsekretion kann an sich schon problematisch werden, ohne dass der BZ / HbA1c übermäßig ansteigt. Das reicht von Bluthochdruck, drohende Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse, gestörter Hormonhaushalt, fehlendes Zyklieren zwischen Anabolismus und Katabolismus, etc., etc..
"Ich kann mir nur vorstellen, dass man mit einem hohen Insulinwert eine bevorstehende Insulinresistenz erkennen kann"
Du kannst damit eine bestehende(!) Insulinresistenz erkennen und einen bevorstehenden/drohenden manifesten Diabetes. Du bekommst einfach "Vorwarnzeit".

[Quelle: https://fettfreun.de/diabetes-in-situ; Horizontale Achse: Jahre; "0"=Diganose manifester Diabetes]
"An der Stelle sollte man die Kohlenhydrate reduzieren, um eine hohe Blutzuckerausschüttung zu vermeiden."
An der Stelle sollest du die zelluläre Energibilanz ins Negative drehen, die Insulinsensitivität wieder herstellen und die Ernährung so wählen, dass görßere BZ Spitzen vermieden werden. KH streichen/ reduzieren kann ein Weg dazu sein.
Spannend ist z.B. mal ein Blick auf den sog FII, den Food-Insulin-Index. Der beschreibt die Insulinausschüttung einer Mahlzeit (im Gegensatz zu einem Nahrungsmittel. Den hatten wir schon 2016 diskutiert:
https://www.strunz.com/forum/gesundheit/ketose-3/
https://academic.oup.com/ajcn/article/90/4/986/4597071
Nicht nur KHs provozieren eine Insulinausschüttung, auch bestimmte Eiweiße / Aminosäuren sind Insulinogen. Selbst unter den Fetten gibt es Vertreter, die eine Insulinausschüttung zur Folge haben.
Übrigens schleust Insulin nicht nur Glukose in die Zellen, sondern auch Proteine/Aminosäuren. Nicht ganz unwichtig, wenn es um Zellwachstum und Regeneration geht.
Also, Hauptziel ist und sollte sein: Insulinsensitivität wieder herstellen, bzw. Insulinresistenz abbauen/vermeiden, damit der Körper wieder angemessen(!) auf Insulin reagieren kann und zwischen Energeiesubstraten und anabolen und katabolen Phasen wechseln kann => metabolische Flexibilität.
LG
Thorsten