"Er ist sehr schnell wieder hungrig...er isst mehr (als er sollte)...und er produziert im Körper Fett ohne Ende. Die Blutfettwerte von Diabetikern sind um den Faktor 5-10 höher als im gesunden LowCarbler!"
"Produziert Fett ohne Ende" ist eine ziemliche Übertreibung. Die hier ansetzende DeNovoLipogenese (DNLG) ist ein extrem unwirtschaftlicher Vorgang. Maximal ca. 1/3 der KH Masse wird in Fettmasse umgewandelt. Noch dazu deutlich abhängig von der Art der KH. Stärke/Glukose befeuern kaum die DNLG, Fruktose schon deutlich stärker, wie schon von Dr. Rober Lustig dargelegt; aber von "ohne Ende" kann keine Rede sein. Siehe auch hier.
Und die Leber kann Stärke/Glukose nahezu unbegrenzt und gefahrlos in Form von Glykogen speichern, sofern sie noch insulinsensitiv ist. Die Probleme beginnen bei einem chronischen (!) Überfressen ("Overfeeding"), d.h. wenn dauerhaft massiv mehr Energie aufgenommen, als verbraucht wird. Dabei ist es irrelevant, ob es KH- oder Fett-Kalorien sind; zuviel ist zuviel und füttert die Fettzellen (Nahrungsfett geht i.d.R. immer erst den Umweg über die Fettzellen, bevor sie als Fettsäuren im Blut schwimmen).
Nimand wird Insulinsensitiv, wenn er zuviel Fett zu sich nimmt. Und auch Doc Strunz hat gestern in seiner News ja geschrieben "No carb plus zu viel Fett. Funktioniert nicht. Sie nehmen wieder zu.".
Also: Die Zellen vor einem chronischen, massiven Energieüberschuss bewahren, dann kann man auch wieder insulinsensitiv werden (wenn die biochemischen Voraussetzungen vorliegen -> Chrom, Kupfer, EPA/DHA, etc.)
Problematisch bei massiv Übergewichtigen ist, dass u.U. das Fettgewebe selber soviele Fettsäuren freisetzt, dass alleine dadurch eine dauernde Energieüberfrachtung vorliegt. Hier wird dann wohl nur Bewegung/Sport helfen können, um die Überschüsse zu "verfeuern".
"Und es gibt nun lustigerweise 2 Wege, das raus zu kommen:"
Eigentlich gibt es sogar nur einen Weg. Kaloriendefizit!
Und dafür gibt es dann i.W. zwei Möglichkeiten 1. Verbrauch erhöhen (Sport, Bewegung, Thermogenese) 2. Zufuhr reduzieren (verschiedenste Formen und Arten der Ernährung mit hochwertigen Lebensmitten und möglichst geringer Energiezufuhr.
Für 2. gibt es dann vielfältige Varianten die von den Betroffenen unterschiedlich leicht akzeptiert und umgesetzt werden können (MC/LF, LC/MF, HP/LC/LF, IF, FDH, ...)
Aber egal was man macht, man sollte nicht chronisch mit zu großen Kaloriendefizit (Kaloriendefizit: das, was der Körper, die Zellen "sehen"; also aus dem Fettgewebe freigesetzte Fett-Kalorien + Nahrungskalorien) unterwegs sein. Und man sollte auch nicht zu LC unterwegs sein, sodass der Körper aus Gründen mangelnder Glukoseverfügbarkeit eine physiologische Insulinresistenz auf-/ausbaut.
Wer welche Kombination für sich als sinnvoll und umsetzbar auswählt, ist dabei fast nebensächlich. Die beste Intervention bringt nichts oder wird nicht durchgehalten, wenn sie nicht Akzeptiert wird (manch einer kann und will einfach nicht löffelweise Fett schlucken, oder mag einfach bestimmte Lebensmittel nicht, oder hat widersprechende persönliche Überzeugungen).
Mein Tipp: Zyklen, also Abwechslung und Vielfalt. Keine chronische Intervention
"nur Fett+Eiweiß (was kein Energieträger ist!)"
Eiweiß ist durch aus auch Energielieferant, auch jenseits einer Gluconegenese. Bis ca. 1/3 des aufegnommenen Eiweiß kann der Körper auch direkt energetisch verwerten; ohne vorher Glukose daraus herstellen zu müssen. Aber ja, es ist schon sehr schwierig, sich mit Eiweiß dick und fett zur futtern.
LG
Thorsten