14.02.2024
"Eine wahrhaft fundierte inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Vorwurf der falschen Energiepolitik"
Ein Auseinandersetzung mit der Energiepolitik kannst du früheren Beiträgen von mir entnehmen.
Und was den "Vorwurf der falschenEnergiepolitik" angeht, so ist das natürlich immer eine standpunkt- und interessenabhängige Beurteilung. Aus SIcht der USA war es z.B. eine flasche Energie politik, auf billiges russisches Erdgas zu setzen; sie hätten halt gern mehr von ihrem Fracking-Gas verkauft. Aus Sicht der Russen wäre es eine falsche Energiepolitik gewesen, auf russiches Erdgas zu verzichten und stattdessen amerikanisches Fracking-Gas zu kaufen. Aus Sicht der Braunkohlekraftwerksbetreiber ist es eine falsche Energiepolitik, Braunkohlekraftwerke stillzulegen. Aus Sicht der Lützerater ist es eine falsche Energiepolitik, Braunkohle nicht schon viel früher beerdigt zu haben.
Es ist mir eigentlich ziemlich egal, was ein amerikanischer Ex-Energieminister aus seiner Sichtweise über deutsche Energiepolitik denkt oder sagt. Ob Energiepolitik richtig oder falsch ist, läßt sich nicht so ohne Weiteres objektivieren. Vermeintlich richtige Energiepolitik kann z.B. falsche Klimapolitik sein, oder falsche Finanzpolitik.
Hier noch ein paar Fun-Fakts zum Thema Kernenergie:
- In der Hochphase der Kernenergie hatte diese einen weltweiten Anteil an der Stromerzeugung von etwa 17,5% (1996). Mittlerweile liegt der Anteil bei nur noch 9,8% (2021). Tendenz weiter fallend
- Wind- und Solarenergie liegt mitlerweile mit einem Anteil von 10% deutlich vor Atomstrom. Tendenz weiter steigend
- Zählt mian noch Wasserkraft und andere regenerative Quellen dazu, liegt EE bei knapp 30% Anteil weltweit.
- Die Gesamtzahl aktiver Atomkraftwerke hast sich im Laufe der letzten Jahrzehnte kaum veränder und lieg bei ca. 430.
- 2022 sind 472 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investiert worden, dazu 337 Milliarden in Speicher und Netze, die nötig sind, um die schwankende Erzeugung auszugleichen. In Kernenergie flossen dagegen 49 Milliarden.
Wachstum und Renaissance der Kernkraft stelle ich mir anders vor. Wie sieht da wohl "richtige" Energiepolitik aus?
Übrigens, wenn man sich mal deine "Qualitäts"quelle Tichy anschaut, liest man folgendes:
Kein gutes Haar lässt er an Deutschlands Energiepolitik. Insbesondere Wirtschaftsminister Robert Habeck und seine Grünen bekommen ihr Fett ab. In einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) erklärt Chu den Atomausstieg kurz und bündig für einen Fehler.
Tja, vielleicht hat Chu da ja sogar Recht? Aber er hat offenbar bemerkenswert wenig Kenntnisse darüber, wer wie maßgeblich den Atomausstieg vorangetrieben und umgesetzt hat (Spoiler: CDU/CSU + FDP unter Merkel; Nix Habeck oder Grüne)
Aber weiter im Text:
Vor allem die Produktion von chemischen und petrochemischen Erzeugnissen funktioniere nur mit verlässlich verfügbarer elektrischer Energie.
Chu hat offenbar keine Ahnung, wie zuverlässig, verläßlich und hochverfügbar elektrische Energie in Deutschland ist (Spoiler: Deutschland ist regelmäßig in der Top-Gruppe hinsichtlich Sicherheit und Zuverlässigkeit in der Stromversorgung im weltweiten Vergleich; übrigens ganz im Gegensatz zur USA).
Ohne Kernenergie kann Deutschland für den Top-Wissenschaftler nicht auskommen.
Oh, die Realität sieht anders aus. Das Abschalten deutscher Kernreaktoren hat die Versorgungssicherheit nicht beeinträchtigt. Chu sollte sich vielleicht stattdessen fragen, warum in den USA seit dem AKW Peak 1996 nur 2 AKWs in den USA neu gebaut/ans Netz gebracht wurden (2x1,1GW), aber 19 AKW mit insgesamt ca. 14,3GW abgeschaltet wurden. Haben die USA keinen Beadrf an billiger und zuverlässiger Stromversorgung?
War das genug inhaltliche Auseinadersetzung? Du darfst gerne inhaltlich erwidern.