28.04.2021
Hallo Robert,
"Es gab keine signifikante Übersterblichkeit in Deutschland. Daten sind beim stat. Bundesamt einsehbar."
Nicht? Wieviel Übersterblichkeit muss es denn sein, um als signifikant gelten zu dürfen?
Betrachtet man dabei bundesweit das ganze Jahr, oder sollte man vielleicht auch den Blick auf herausragende Zeitperioden und Regionen lenken?
Unterm Strich hatten wir trotz allem eine Übersterblichkeit. Bundesweit über das Jahr gesehen vielleicht nicht dramatisch, regional betrachtet aber durchaus bis mehrer 100%. Besonders betroffen die Bundesländer/Regionen, die auch mit den höchsten Inzidenzen zu kämpfen hatten; mit guter Korrelation zu den Coronawellen. Hinzu kommt, dass Todesfälle durch sonst saisonale Atemwegserkrankungen (Grippe) in der letzte Zeit nahezu vollständig ausgeblieben sind. Es gab einfach kaum Grippe-Kranke.
Und bevor jetzt jemand kommt und meint, die wären jetzt nur unter Corona verbucht. Die intensivmedizinische Behandlung von Grippekranken unterscheidet sich spürbar von der von Coronakranken.
In der Tat kann man die entsprechenden Zahlen beim stat. Bundesamt einsehen.
Und ja, es gibt genügend andere Versäumnisse im politischen Gesundheitsbereich. Aber kann ein Versäumnis an einer Stelle die Rechtfertigung oder sogar den Anspruch darstellen, auch an anderer Stelle nichts zu unternehmen (zu dürfen)?
Im Gegensatz zu Herz-Kreislauf-Erkrankung, Adipositas, Diabetes und auch Krebs, ist eine Coronainfektion eine (leicht) übertragbare Krankheit. Gegen die Erstgenannten kann jeder für sich etwas auf individueller Ebene tun, bei einer durch die Luft übertragbaren Infektionserkrankung ist das deutlich eingeschränkter. Wenn der Dicke neben dem schlanken Sportler steht, läuft der Sportler nicht gefahr, plötzlich fett zu werden. Wenn der asymptomatische oder präsymptomatische Corona-Infizierte neben einem schlanken Sportler steht, sieht die Sache schon anders aus. Und nein, man kann sich nicht immer aussuchen, wer neben einem steht.
Der Vergleich mit einem abstürzenden Flugzeug täglich trifft es eigentlich ganz gut. Wie sagtest du doch: "Irgendwas muss auf einem Totenschein nunmal drauf stehen." Und: "Ob da jetzt [X] oder [Y] drauf steht, ist vollkommen egal, solange die Zahlen gleich sind." Wirklich? Würdest du bereitwilliger vermeidbar ins Gras beißen, wenn sich die Gesamtsterblichkeit dadurch nicht erhöhen würde?
Du willst auch lieber die Intensivkapazitäten ausbauen, als dafür zu sorgen, dass einfach weniger Menschen in diese lebensbedrohliche Lage kommen? Wo soll man auf die schnelle das dafür nötige qualifizierte Personal herbekommen; Betten und Beatmungsgeräte haben wir noch reichlich; qualifiziertes Personal fehlt.
Und dann wissen wir ja noch gar nicht, in was wir uns alle mutieren, durch das Virus, wie uns Albrecht ja verdeutlicht hat. Langzeitfolgen ungewiss. Ebensowenig wissen wir, in was sich das Virus noch alles mutiert, wenn die Pandemie ungebremst weiter läuft.
Es kann durchaus zu unschönen (Re)Kombinationen von verschiedenen Viren kommen, wenn es Mehrfachinfizierte trifft und sich Virengenome neu zusammensetzen. Zugegeben, eine wohl eher geringe Wahrscheinlichkeit. Aber bei ausreichend vielen Vieren und Infizierten weltweit vielleicht doch nicht so abwegig.
Corona so früh wie möglich auszubremsen entspannt die Situation hintenraus.
Übrigens, wer grundsätzliche Zweifel an so etwas wie exponentiellem Wachstum hat (das ist zugegebenermaßen im einem begrenzten System nicht nicht unbegrenzt möglich) soll sich einfach mal den Verlauf der Infektionskurve in Indien anschauen. Ein wunderbares Beispiel für exponentielles Wachstum. Mittlerweile mit einer leichten Abschwächung mit zunehmender Etablierung von Gegenmaßnahmen.
Ach ja GB, Israel und andere ähnlich weit durchgeimpfte Gesellschaften holen sich Stück für Stück die Normalität zurück. Nur hier wollen das anscheinend einige nicht.
LG
Thorsten