Ich versuchs mal mit einem kleinen Logik-Konsens-Ansatz:
1. Postulat: Der Körper benötigt verschiedenste Stoffe, um "richtig" (sprich: gesund) zu funktionieren. Einiger dieser Stoffe kann der Körper zu einem gewissen Maße selber bilden. Andere muss er von außen (Nahrung, Atmung) zugeführt bekommen. Für einige Stoffe kann der Körper auf beide Wege zurück greifen.
2. Postulat: Der Körper funktioniert am Besten, wenn alle benötigten Stoffe in der erforderlichen Menge vorliegen. Grundsätzlich ist sowohl eine dauernde Unterversorgung, als auch eine dauernde Überversorgung mit einer benötigten Substanz unvorteilhaft. Das betrifft alle(!) Substanzen, die für die Funktion des Körpers eine Rolle spielen.
3. Postulat: Der Körper kann sowohl Überversorgungen als auch Unterversorgungen i.d.R. eine Zeit lang gut kompensieren/ausgleichen (speichern, Ausscheidung erhöhen, Aufnahme reduzieren, Speicher anzapfen, Stoffwechsel anpassen, Alternativen nutzen), ohne gleich in akute Not zu geraten.
4. Postulat: Menschen sind in ihren Stoffwechsel- und Signalwegen längst nicht so gleich und einheitlich, wie gerne angenommen und propagiert. Das wissen wir spätestens seit dem Coimbra-Protokoll in Bezug auf Aufnahme und Verwertung von Vitamin D. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Adaptionen verschiedener Volksgruppen in Bezug auf Nahrungsverträglichkeit (z.B. Verträglichkeit von Kuhmilch und Alkohol), Energiestoffwechsel (Inuit: Fett; Asiaten : KH.; Eurpäer:?) u.v.m.. Auch Aufnahme und Verwertung von z.B. einzelnen B-Vitamin ist durch genetische Prädisposition deutlich unterschiedlich und weit verbreitet; auch bei Europäern.
Frage: Warum sollte es gerade bei dem Energiesubstrat, das alle Zellen des menschlichen Körpers verwerten können (Glukose = KH) anders sein? Noch dazu, wo Glukose eben nicht nur Energielieferant ist sondern auch Strukturbaustoff, Co-Faktor und Metabolit. Glauben die Anhänger von (Dauer) LC/Keto tatsächlich, dass es ausgerechnet bei Glukose im Körper nie/nicht zu einem Mangel kommen kann? Das der Körper immer und jederzeit in der Lage ist, in optimalem Umfang die benötigten Mengen Glukose für alle Lebenslagen selber zu synthetisieren?
Wenn ja, bin ich raus aus der Diskussion und wundere mich verstärkt, warum Mrd. Asiaten, Intaliener, Blue Zone-Bewohner, etc. nicht alle in chronischem Entzündungssiechtum früh-versterben.
Wenn nein, warum ist es dann so schwer zuzugestehen, dass es sehr wohl eine Unterversorgung mit Glukose geben kann (nicht immer automatisch auch geben muss!)? Dass es auf eine angemessene Versorgung mit Glukose/Stärke ankommt und nicht auf eine minimierte?
Warum können Diabetiker mit einer HC-Diät ("Reis-Diät") geheilt werden (und zwar nachweißlich richtig geheilt und nicht bloß ein "work around")?
Ich bin zu doof dazu, ich kapiere das nicht. Und bevor jetzt wieder ein Flasch-Verstehen-Woller ankommt: Nein, mir geht es nicht um die Heiligsprechung von HC oder KH-Mast. Es geht um einen angemessenen Umgang mit Energiesubstraten und deren sinnvoller, abwechslungsreicher Nutzung.
Das kann durchaus auf persönlicher Ebene beinhalten, dass eine Tendenz in die eine oder andere Ernährungsrichung bei der persönlichen Sportpräferenz von Vorteil sein kann. Aber der Gewichtheber, Sprinter, Kraftsportler hat nun mal andere Anforderungen an seine Muskulatur (kurze Hochleistung), als der Ultra-Ausdauer-Athlet. Viele Andere liegen irgendwo dazwischen in diesem Spannungsfeld. Man betrachte einfach mal den 200m Schmetterling Schwimmer oder den 1000m Läufer. Das ist beides so mit die übelste Kombination aus Kraft und Ausdauer. Wenn die nicht einen in allen Belangen anpassungsfähigen, flexiblen Stoffwechsel und eine extrem hohe glykolytische Energiebereitstellung mit extrem hoher Laktat-Toleranz haben, wird das nix mit dem sportlichen Erfolg. Gleiches gilt für die Cross-Fitter (von denen hat kaum einer unter 8%KFA). Das Belastungs- und Intensitätsbereiche, in die der Ultra-Ausdauersportler selten bis nie vorstößt.
Warum stehen wir den so auf Zucker=süß? Warum ist das eine ganz dominante Geschmackswahrnehmung im Mund, die das Gefühl von "Lecker" auslöst?
Vielleicht, weil Süße bei Nahrungsmitteln ein Hinweis darauf war, dass sie bekömmlich sind, Energie liefern können, Vitamine und Mineralstoffe enthalten? Der Mensch hat seine Vitamin C Synthesefähigkeit ja sicher nicht grund- und ersatzlos aufgegeben.
Übrigens noch eine Anmerkung zu Keton-Körpern und Gehirn: Die Blut-Hirnschranke ist ja wohl jedem mittlerweile ein Begriff. Stoffe, die zur Versorgung des Gehirns in selbiges eindringen müssen, müssen diese erst mal passieren. Das können Keton-Körper. Das kann Glukose aber besser und einfacher. Und Glukose diffundiert auch schneller und weiter durch das Gehirn, als Keton-Körper. Sprich je länger der Versorgungsweg von der Blut-Hirn-Schranke zur zu versorgenden Hirnzelle ist, umso sinnvoller ist Glukose als Energielieferant.
Ich habe Fertig.
LG,
Thorsten
PS: Vielleicht könnte mir nochmal Jemand erklären, wie genau KHs im Körper Entzündungen hervorrufen. KHs allgemein, oder nur bestimmte? Proportional zu ihrer Menge? Wo kommen die Entzündungsstoffe wirklich her?