Forum:Gesundheit - Salzreduktion hilft nicht gegen Bluthochdruck – Falsche und gefährliche Schlussfolgerungen

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

»Ich achte sehr auf wenig Salz, weil ich hohen Blutdruck habe!« – Weil Salzreduktion, wie unten schon durchgekaut, nur eine von vielen Stellschrauben ist (Bewegung, Gewichtsreduktion, Genetik, vielleicht mal Arginin oder Magnesium dazu etc. pp.).

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hi Stefan,

ja, auch der Vortrag von Herrn Dr. Lemke ist unredlich und wissenschaftlich zweifelhaft. Er führt ein zwar systematisches Review an, lösst wichtige Inormationen unter den Tisch fallen, fährt dann mit Einzelstudien fort, die zu seiner Hypothese passen, mixt Personen mit Bluthochdruck, gesunden Personen und solchen mit zu niderigem Blutdruck zusammen, um dann abschließend allen pauschal zu empfehlen: »Minimum von 10–12 Gramm Salz pro Tag«. Schon krass.

Was daran ist unredlich?

  1. Er bezieht sich auf dieses Cochrane-Rewiew: https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004022.pub5/full?highlightAbstract=sodium%7Cpressure%7Cblood%7Cgraudal%7Cpressur

    Ich hatte das schon weiter unten besprochen. Die Autoren kommen klar zu dem Schluss: »Bei weißen Personen mit erhöhtem Blutdruck senkt eine Natriumreduktion den Blutdruck um etwa 3,5 %, was darauf hindeutet, dass eine Natriumreduktion als ergänzende Behandlung bei Bluthochdruck eingesetzt werden kann. Bei Asiaten und Schwarzen war der Effekt der Natriumreduktion etwas größer als bei Weißen, doch liegen bislang zu wenige Studien vor, um zu einer anderen Schlussfolgerung als der oben genannten zu gelangen.«

  2. Dr. Lemke lässt ferner sämtliche anderen Cochrane-Reviews (von denen es zahlreiche gibt), die eine Salzreduktion als günstig bewerten, unter den Tisch fallen.
  3. Vorsicht ist immer auch geboten, wenn in solchen Laien-Vorlesungen Dramatisierungen verwendet werden, wie »Katastrophe« oder »Alarmzustand« oder auch »guten Appetit«.
  4. Auch widerspricht er sich ja dramatisch selbst: Zu Beginn hat er nicht das Salz an sich im Verdacht, sondern die »hochprozessierten« salzhaltigen Lebensmittel, um dann am Ende jederman mindestens 10 bis 12 Gramm Salz pro Tag ans Herz legt. Blöd nur, dass dem Körper egal ist, woher genau das Salz kommt.
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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

auch sehr witzig:

Der Herr - im von Juliane empfohlenen Video - bei 0:30 min der da meint:

"Ich achte sehr auf wenig Salz, weil ich hohen Blutdruck habe!" 

Mmh - Ok: An welcher Stelle bricht man das low salt Experiment dann ab, wenn der Blutdruch trotzdem hoch bleibt?

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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

Hi Oliver,

"was Herr Dr. Lemke und Herr Spitz sagen, ist ganz sicher interessant. Ihre Meinung ist aber nur ... ihre Meinung und kein Beleg für irgendetwas."

Seltsam ... wo sie sich doch auf Cochrane Reviews beziehen ??!!! 

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hallo Juliane,

zu dem Nordkarelienprojekt: Hierzu sind auch die »Bewertungen und Empfehlungen zur Reduktion des Salzgehalts« des Max-Rubner-Instituts interessant: https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Themen/Reformulierung/Reformulierung-Thema-Salz.pdf

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hallo Stefan,

was Herr Dr. Lemke und Herr Spitz sagen, ist ganz sicher interessant. Ihre Meinung ist aber nur ... ihre Meinung und kein Beleg für irgendetwas. Zur Erinnerung: Expertenenmeinungen stehen ganz unten in der Evidenzhierarchie und sind höchst fehleranfällig.

Die Evidenzhierarchie: https://www.iqwig.de/presse/mediathek/grafiken/studienaspekte/

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hi Ole,

***
Auch deine folgende Aussage ist falsch:

"Das stimmt nicht bei systematischen Reviews. Hier werden sämtliche verfügbaren Einzelstudien herangezogen, keine (willkürliche) Auswahl."

Richtig ist, das systematische Reviews darauf ausgelegt sind, möglichst vollständig und verzerrungsarm zu sein, aber sie enthalten nicht automatich alle existierenden Studien, sondern nur die, die nach definierten Kriterien gefunden und eingeschlossen werden.
***

Auch dieser Einwurf ist nicht korrekt. Systematische Reviews enthalten natürlich nicht alle möglichen 5.000.000 Einzelstudien. Sie enthalten jedoch alle Einzelstudien gemäß einer Fragestellung (»Hilft die Reduktion von Salz gegen Bluthochdruck«). Dabei wird die Population berücksichtigt (zum Beispiel: alle Erwachsenen mit Bluthochdruck), die Intervention (also die Reduktion des Salzkonsums), die Vergleichsgruppe (gesunde Probanden) und das Outcome (hier also die Höhe des Blutdrucks).

Um es nichmal klarzustellen: Solche systematischen Reviews gibt es zahlreiche!

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hi Ole,

***
dein Fazit/Aussage ist falsch, weil sie eine grobe Orientierung mit einer festen Regel verwechselt.

Die sogenannte " Evidenzhierarchie" ist nr eine Hilfe, um Studien einzuordnen - aber kein Automatismus, nach dem etwas automatisch stimmt oder falsch ist. Man muss sich immer anschauen, wie gut die jeweiligen Untersuchung gemacht ist
***

Dein Einwurf ist nicht korrekt. Ich bezog mich in meinen Aussagen auf sysematische Rewies, idealerweise nach Cochrane-Standard. Solche Reviews bewerten per defintionen immer »wie gut die jeweiligen Untersuchung (also die jeweils zugrunde liegende Einzelstudie) gemacht ist«. Daher sind auch systematische Reviews stets und auch automatisch besser also die ihr zugrundeliegenden Einzelstundien.

  • Ein Grund ist beispielsweise die größere und damit repräsentativere Stichprobe: Wenn 100 Einzeilstudien zusammengefasst werden, die jeweils 100 Probanden hatten, erhöht sich die zusammengefasste (»gepoolte«) Stichprobe auf 10.000. Man sagt daher auch, dass systematische Reviews mit Metaanalysen eine höhere Power haben.
  • Es ist Kennzeichen von Wissenschaft, dass verschiedene Studien sich widersprechende Erebnisse liefern. Angenommen, von den 100 Einzelstudien kommen 99 zu einem positiven Ergebnis, eine Studie hingegen zu einem negativen. Bewerte ich selektiv eine einzige Studie, kann es sein, dass ich just die eine bewerte, die zu dem negativen Ergebnis kommt. 
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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

Es gibt ein Video auf Youtube unter dem Titel

"Is salt healthy or unhealthy? Scientific studies - Dr. Dirk Lemke & Prof. Jörg Spitz"

:-)

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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

Hi Juliane,

" Die Kerninterventionen waren Ratschläge zum Ersatz gesättigter Fette (hauptsächlich Butter) durch ungesättigte Fette (hauptsächlich Rapsöl), zu höherem Gemüsekonsum, weniger Salz und weniger Tabakkonsum"

Sicher, dass es das "weniger Salz" war, was geholfen hat ???

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