Forum:Gesundheit - Salzreduktion hilft nicht gegen Bluthochdruck – Falsche und gefährliche Schlussfolgerungen

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Was soll man also machen, wenn man Bluthochdruck hat?

  1. Salzreduktion. 4–6 mmHg Senkung systolisch
  2. Gewischtsabnahme: 5–20 mmHg Senkung systolisch
  3. Bewegung: 5–8 mmHg Senkung systolisch

Das heißt übersetzt:

  1. Im besten Fall: von 150 mmHg (Hypertonie) auf 116 mmHg (also weg von Hypertonie hin zu einem unteren Normalbereich)
  2. Im schlechtesten Fall: von 150 mmHg auf 136 mmHg (noch kein Normalwert, aber auf jeden Fall raus aus dem Risikobereich)
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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hallo Stefan,

da geht ja einiges munter durcheinander:

  1. Selbst dann, wenn Du recht hättest, ist die Schlussfolgerung von Frau Dr. Jacobi (»Salzreduktion hilft nicht gegen Bluthochdruck«) auf Basis genau der Studie, die sie herangezogen hat, schlicht falsch und gefährlich. Die Begründung hatte ich gegeben. Das ist nicht »immer erst mal alles schlechtreden«, sondern Wissenschaft.
  2. Die meisten Laien sind methodisch nicht ausgebildet, wissenschaftliche Studien und Artikel zu interpretieren. Der Artikel, den Du empfohlen hast, ist leider wenig geeignet. Warum? Es handelt sich um ein so genanntes narratives Review: Der Forscher sucht zu einem Thema bestehende Literatur, und zwar nach Gusto. Problem: Viele Artikel, die der gewünschten Aussage widersprechen, werden – absichtlich oder auch nicht – nicht einbezogen. Eine Auswertung erfolgt meist auch nicht quantitativ, also beispielsweise mataanalytisch. Insofern sind die Aussagen solcher narrativen Reviews stark begrenzt. Solche Methoden gelten heutzutage als wissenschaftlich eher zweifelhaft.
  3. Ganz anders hingegen sind systematische Reviews mit Metaanalysen zu bewerten, am besten nach Cochrane-Standard: Hier wird die gesamte Evidenz zu einem Thema eingeschlossen und quantitativ ausgewertet. Ironischerweise verweisen die Autoren Deines Artikels auf solch ein Cochrane-Review (https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004022.pub5/full). Nur: Die Autoren dieses Reviews kommen zu dem Schluss: »Bei weißen Personen mit erhöhtem Blutdruck senkt eine Natriumreduktion den Blutdruck um etwa 3,5 %, was darauf hindeutet, dass eine Natriumreduktion als ergänzende Behandlung bei Bluthochdruck eingesetzt werden kann.« Ironischerweise widerspricht auch diese Metaanalyse der Aussage von Frau Jacoby einerseits, während sie andererseits von den Autoren Deines narrativen Reviews verschwiegen wird.
  4. Und nein, ich bin nicht »Thorsten« ;-) .
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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

Morning Patricia,

Du bleibst Dir auch treu, oder? ;-)

"Thorsten hatte in Sachen Ernährung und Gesundheit ein sehr breites Wissen, aber wenn jetzt wieder jemand mit ebenfalls mehr Wissen als der Durchschnitt hier hat, schreibt, dann muss das nicht automatisch Thorsten sein."

Ich hatte das weniger am Wissen, sondern mehr am Verhaltensmuster (immer erst mal alles schlechtreden, was hier praesentiert wird!) festgemacht.

Eine Beleidigung war es nicht ... lediglich eine geaeusserte Vermutung :-)

Zum Thema: 

Einfach mal Folgendes lesen:

July 2018 | Volume 33 | Issue 4 | pp: 377-381 doi: 10.1097/HCO.0000000000000525

HYPERTENSION: Edited by Hector O. Ventura and Carl J. Lavie 
Salt and hypertension: what do we know?
James J. DiNicolantonio

Und natuerlich - wenn der Natriumwert zu hoch ist, sollte man weniger davon aufnehmen - was aber rein gar nichts mit dem Blutdruck zu tun hat!

LG

Stefan

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Patricia D.

1178 Kommentare Angemeldet am: 17.07.2020

Hallo St.W.,

Thorsten hatte in Sachen Ernährung und Gesundheit ein sehr breites Wissen, aber wenn jetzt wieder jemand mit ebenfalls mehr Wissen als der Durchschnitt hier hat, schreibt, dann muss das nicht automatisch Thorsten sein.

Hast Du außer der Beleidgung auch etwas zum Inhalt von Olivers Beitrag zu sagen?

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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

OMG !!

Thorsten is back - mit neuem Kuenstlernamen: Oliver !!

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Carlos 1231 Kommentare Angemeldet am: 18.12.2018

Oliver, du rechtfertigst mit deinen Recherchen mal wieder den von mir immer wieder vorgebrachten Studiennonsense , meistens mit selektiver Wahrnehmung der Autoren verbunden.  Jegliche noch so absurde Behauptung kann man mit Studien "beweisen" oder je nach Gusto "widerlegen".  Unvergessen bleibt unser GM Professor Lauterquatsch, der jeden Tag beim Wein unzählige Studien gelesen hat. Im Grunde hat er vermutlich nur die Überschriften überflogen und sich dem Wein, Weib und Gesang gewidmet. Er lebt übrigens komplett ohne Salz. Das dies nicht unbedingt vorteilhaft ist, sieht man ihm irgendwie an. Zu saltz gibt es vermutlich 5000 Studien, die von Salz abraten und 5000 Studien, die Salz als das Salz in der Suppe sehen. Was schließt man daraus ? 10000 Studien lesen ? Oder selbst mit gesundem Menschenverstand agieren. 

Komisch, dass zum wiederholten Male die Aussagen irgendwie nicht zu dem Inhalt der Studie passen, wenn Oliver da richtig liegt.

Tja wer empfiehlt dir, Oliver, den Doc ? Irgendeine Autorin, deren Nachname  mit J  anfängt ? 

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Wer also unter Bluthochdruck leidet, sollte natürlich umgehend seinen Salzkonsum senken. Ratet mal, was mir seinerzeit Dr. Strunz empfohlen hatte angesichts meines zu hohen Natriumwertes ;-) ...

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Frau Dr. Jacoby schreibt: »Salzreduktion hilft nicht gegen Bluthochdruck« und will dies mit einer Studie belegen. Sie möchte die Aussage »Seit Jahrzehnten raten Ärzte zu reduziertem Salzkonsum bei Bluthochdruck« als fehlerhaft entlarven. Sie kommt zu dem Schluss:

»Die Autoren folgern daraus, dass eine sehr starke Natriumreduktion die Insulinsensitivität bei gesunden Menschen nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. Das Gleiche gilt für Personen mit Bluthochdruck oder Insulinresistenz.«

Sie empfiehlt dann: »Wer Bluthochdruck ursächlich angehen möchte, sollte die Insulinresistenz verbessern.«

Die Schlussfolgerungen stimmen nicht und können sogar lebensgefährlich sein. Ich rate daher dazu, diesen Artikel von der Webseite zu nehmen.

Die Begründung:

  1. Die Studienautoren haben ausschließlich Personen ohne Bluthochdruck ausgewählt.
  2. Die Autoren selber halten das für eine Limitation ihrer Studie und schreiben: »Zudem handelte es sich bei den Teilnehmern um gesunde Erwachsene mit normalem Blutdruck, was die Übertragbarkeit auf ältere Menschen oder Personen mit Adipositas, Insulinresistenz oder Bluthochdruck einschränkt«. Insofern ist Frau Dr. Jacobys Schlussfolgerung »Das Gleiche gilt für Personen mit Bluthochdruck« falsch.
  3. Die Autoren schreiben im Gegenteil explizit selbst, dass Salzreduktion »effektiv den Blutdruck senkt«.
  4. Diverse Metaanalysen belegen den Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Salzreduktion und Senkung des Blutdrucks, insbesondere bei Menschen mit Bluthochdruck (zum Beispiel https://doi.org/10.1136/bmj.m315).
  5. Die Autoren betonen selbst, dass die Interventionen kurz waren und nur kurzfristige metabolische Reaktionen abbilden. Sie schreiben ausdrücklich, dass sich daraus keine langfristigen Ernährungsempfehlungen ableiten lassen und unklar ist, ob es sich um eine vorübergehende Anpassungsreaktion oder einen anhaltenden Effekt handelt.
  6. Die Empfehlung von Frau Dr. Jacoby (»Wer Bluthochdruck ursächlich angehen möchte, sollte die Insulinresistenz verbessern.«) ist falsch und gefährlich, insbesondere, wenn Menschen mit Bluthochdruck ihr folgen und ihren Salzkonsum erhöhen. 

Was hat die Studie wirklich gezeigt? Sie zeigt ausschließlich, dass eine kurzfristige, sehr starke Natriumrestriktion unter experimentellen Bedingungen mit Veränderungen in laborbasierten Markern der Insulinsensitivität assoziiert war. Sie zeigt nicht,

  • dass Salzreduktion den Blutdruck nicht senkt
  • dass Salzreduktion den Bluthochdruck verschlechtert
  • dass diese Effekte bei Menschen mit Bluthochdruck auftreten (die wurden gar nicht untersucht!)
  • dass sich daraus klinische Handlungsempfehlungen ableiten lassen
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