Tja - wenn man auf "Studien" steht, die das "beweisen", was im TV so geblabbert wird, dann freilich: Cochrane forever !!
Forum:Gesundheit - Salzreduktion hilft nicht gegen Bluthochdruck – Falsche und gefährliche Schlussfolgerungen
St. W.
1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018Sucht man in der Cochrane Library etwa nach den Schlagworten »salt blood pressure«, wird zum Beispiel diese Studie angezeigt: https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004937.pub2/full/de#CD004937-sec-0110
Die Zusammenfassung für Laien:
»Mäßige Salzreduktion senkt den Blutdruck in allen ethnischen Gruppen und in allen Blutdruckbereichen ohne unerwünschte Folgen
Gesundheitsempfehlungen in den meisten Ländern raten eine Reduktion des Salzkonsums von derzeit 9‐12 Gramm auf weniger als 5‐6 Gramm pro Tag. Unsere gepoolte Analyse von randomisierten Studien mit einer mindestens 4‐wöchigen Dauer zeigt, dass eine solche Reduktion des Salzkonsums den Blutdruck sowohl bei Personen mit erhöhtem Blutdruck als auch bei Personen mit normalem Blutdruck senkt. Die Blutdrucksenkung zeigte sich in verschiedenen ethnischen Gruppen und sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Zusätzlich zeigen unsere Ergebnisse, dass eine längerfristige, mäßige Reduktion des Salzkonsums keine unerwünschten Wirkungen auf den Hormonhaushalt und Lipidspiegel hat. Diese Ergebnisse sind eine weitere überzeugende Unterstützung für eine Reduktion des Salzkonsums in der Bevölkerung. Diese wird wahrscheinlich den Blutdruck in der Bevölkerung reduzieren, wodurch auch das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte und Herzinsuffizienz sinkt. Darüber hinaus stimmen unsere Ergebnisse mit der Tatsache überein, dass je geringer der Salzkonsum ist, desto niedriger ist auch der Blutdruck. Die aktuellen Empfehlungen für die Reduktion des täglichen Salzkonsums auf 5‐6 Gramm senken den Blutdruck, aber eine weitere Reduktion auf 3 Gramm pro Tag würde den Blutdruck noch weiter senken. Daher sollte eine Reduktion des täglichen Salzkonsums auf 3 Gramm pro Tag das langfristige Ziel in der Bevölkerung werden.«
Hi Carlos,
das ist das Dilemma mit der Wissenschaft. Aber ich kann doch etwas Tröstliches beitragen: Solche Artikel, die Stefan hier erwähnt hat, bei denen Autoren Studien nach Wahl zusammenfassen und dann schöne Diagramme fertigen (narrative Reviews), sind wissenschaftlich wenig wert – wir wissen nicht, ob nicht Studien nicht berücksichtigt wurden, die das Gegenteil festgestellt haben.
Aber: Wenn Du Dich für ein bestimmtes medizinisches Thema interessierst, suche nach systematischen Evidenzzusammenfassungen(systematischen Reviews), die nach dem Cochrane-Schema gefertigt wurden. Diese sind der Goldstandard, denn:
- Sie fassen die gesamte Studienlage zu einem Thema zusammen (darum dauern sie mitunter Jahre).
- Sie berechnen ein Ergebnis mithilfe von Metanalysen.
- Vor allem aber: Sie berücksichtigen explizit das Risiko für Verzerrungen und bewerten, inwiefern das berechnete Ergebnis, also die Evidenz, überhaupt auf Basis der Methodik der zugrundeliegenden Studien vertrauenswürdig ist.
Hier kannst Du recherchieren: https://www.cochranelibrary.com/?contentLanguage=de
Anscheinend gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens , ob Salzreduktion bei Bluthochdruck hilft oder nicht. Studien sind wie die Fahne im Wind- jeder sucht sich seine Studien, die seiner Ansicht dienen. Selektive Wahrnehmung !
Ich sehe es wie Patricia D. und erweitere - schalte deinen gesunden Menschenverstand ein. Wenn ich Bluthochdruck habe, kann ich das doch selbst testen. Die Informationsflut mit 1000 ten Studien und 1000 Meinungen können keine Handlungsanweisungen geben. Für mich ist die Informationsflut kontraprodukitv. Es ist das Stochern im Nebel. Essen ist Genuss. Muss man alles sezieren und die einzelnen Nahrungsbestandteile mit fragwürdigen Studien analysieren. Vermutlich haben die ganezn munteren 90-100 Jährigen sich noch nie Gedanken über Studien gemacht.
Sebastian Sawe ist der erste Marathonläufer , der die 2 Stunden unterschritten hat. Er hat komplett anders trainiert als es in sämtlichen Lehrbüchern vorgegeben wird (Schwellentempo statt lang und langsamer) . Er hat sich auch unabhängig von der Lehrmeinung ernährt und auf viel Kohlenhydrate gesetzt.
Jeder ist halt anders und sollte auf den eigenen Körper achten und entscheiden was ihm gut tut und was nicht.
St. W.
1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018
Sieht so aus als ginge die hazard ratio bei low salt schneller nach oben als bei high salt ... oder?
Karl Lauterbach ernährt sich seit über 30 Jahren fast salzfrei, basierend auf Studien, die hohen Salzkonsum mit Gefäßschäden, Bluthochdruck, Demenz und verkürzter Lebenserwartung in Verbindung bringen. Er meidet zugesetztes Salz und konsumiert nur das natürlich in Lebensmitteln enthaltene. Lauterbach argumentiert, dass der Körper für so hohen Salzkonsum nicht genetisch angepasst ist.
Studienlage laut Lauterbach: Er stützt sich auf Analysen, die besagen, dass Salz Gefäße (Hirn- und Nierengefäße) schädigt, den Blutdruck erhöht und die Lebenserwartung verkürzt. Zudem soll Salz den Darmbakterien schaden und zur Zellalterung beitragen.
Praxis: Lauterbach (als Professor für Epidemiologie) konsumiert nur das in Lebensmitteln wie Obst oder Fisch natürlich vorkommende Salz, da er auf stark verarbeitete Lebensmittel mit zugesetztem Salz verzichtet. Er berichtet, dass sich die Geschmacksnerven nach einer Umstellungszeit anpassen.
Wissenschaftlicher Kontext: Die WHO empfiehlt eine Obergrenze von 5 g Salz pro Tag. Ein zu hoher Konsum ist unumstritten gesundheitsschädlich (Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Allerdings wird in der Ernährungsmedizin auch betont, dass der Körper eine gewisse Menge an Natrium benötigt und "zu wenig" Salz in manchen Studien ebenfalls mit Risiken assoziiert wurde,
Das Sprichwort "Statistik ist die Hure der Wissenschaft" kann man erweitern "Studien sind die Hure der Wissenschaft".
Die Aussage „Studien sind die Hure der Wissenschaft“ ist ein bekanntes, zynisches Bonmot, das darauf anspielt, dass Studien manipuliert oder aus dem Kontext gerissen werden können, um beliebige Interessen oder vorgefasste Meinungen zu stützen. Sie betont die Anfälligkeit der Methode für Missbrauch.
St. W.
1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018Nichts von dem ist Kritik am Artikel !!
Sondern genau die richtige Schlussfolgerung aufgrund des Artikels:
Haste hohen Blutdruck - probier was anderes als wenig Salz!
Liebe Patricia,
Du hast natürlich völlig recht. Zu Deinen Anmerkungen:
- Deine Frage »Habe ich jahrelang Salz reduziert und mir dadurch sogar geschadet?« auf den Passus in dem Artikel »dass eine stark salzarme Ernährung den Bluthochdruck nicht senkt, sondern ihn sogar verstärken kann« ist eine implizte Kritik: Denn Frau Dr. Jacoby unterscheidet nicht zwischen Gesunden und Kranken: Für Gesunde mit normalem Blutdruck ist es nachteilhaft, weniger Salz zu sich zu nehmen (warum auch?), während es für Hypertoniker eben vorteilhaft sein kann.
- »Für mich ist nicht wichtig wie andere Menschen auf Salz reagieren , sondern wie ich auf mehr oder weniger Salz reagiere.« ist völlig korrekt und ebenfalls eine Kritik an dem Artikel: Denn die berichteten Ergebnisse sind Durchschnittsergebnisse der untersuchten Stichprobe. Dieser Durchschnitt könnte entweder dadurch zustandegekommen sein dadurch, dass alle Studienteilnehmer gleichermaßen profitiert haben oder aber dadurch, dass die eine Hälfte beispielsweise stark profitiert hat, während die andere Hälfte einen moderaten Schaden erlitten hat (und somit im Durchnitt ein moderater Nutzen entstand). Daher ist es übrigens methodisch nicht statthaft ...
- ... vom Durchschnittswert einer Studie auf den Einzelfall, also auf Dich persönlich, zu schließen: Du könntest ja zur Gruppe gehören, die einen Schaden erleidet. Daher ist Dein Zugang völlig richtig: Man könnte auf Basis einer Metaanalyse sagen, dass bei Bluthochdruck bei Dir persönlich Salzreduktion wahrscheinlich nützen könnte (Durchschnittsergebnis) – es ist aber nicht sicher (individuelle Situation). Daher: ausprobieren und messen, wie Du schreibst!
- Salzkonsum ist nur einer von verschiedenen Ansätzen. Es ist daher genauso falsch und sinnlos, Salzreduktion bei Hypertonie einseitig als alleiniges magisches Heilmittel zu betrachten, wie andererseits in Bausch und Bogen pauschal zu behaupten, »Salzreduktion hilft nicht gegen Bluthochdruck«.
Patricia D.
1178 Kommentare Angemeldet am: 17.07.2020Wenn ich selbst schon länger Bluthochdruck hätte und den Salzkonsum eingeschränkt hätte, weil dies geraten wurde, dann würde ich mal 3 Tage lang zu verschiedenen Tageszeiten den Druck messen und dann mehrere Tage oder Wochen salzreicher essen und zu den gleichen Tageszeiten wie an den Tagen vorher messen. Dann würde ich sehen, wie ICH und MEIN Blutdruck auf mehr oder weniger Salz reagiere. Für mich ist nicht wichtig wie andere Menschen auf Salz reagieren , sondern wie ich auf mehr oder weniger Salz reagiere.