Forum:Gesundheit - Salzreduktion hilft nicht gegen Bluthochdruck – Falsche und gefährliche Schlussfolgerungen

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Patricia D.

1178 Kommentare Angemeldet am: 17.07.2020

Wenn jemand Bluthochdruck hat und nun in den News von Frau Dr. Jacoby liest:

dass eine stark salzarme Ernährung den Bluthochdruck nicht senkt, sondern ihn sogar verstärken kann“ und
Wenn wir sehr wenig Salz essen, gerät der Körper in Alarmbereitschaft

dann könnte er jetzt sehr irritiert sein und sich fragen:

Habe ich jahrelang Salz reduziert und mir dadurch sogar geschadet?

Was ist denn eigentlich eine „
stark salzarme Ernährung“ und „sehr wenig Salz“ und was ist „Salzreduktion“.
Diese 3 Begriffe werden munter durcheinander geworfen. Für mich ist eine Salzreduktion – und zu der wurde bisher geraten - etwas völlig anderes als „
stark salzarm“ oder „sehr wenig Salz“.

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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

Hi Elli,

absolut korrekt!

Natrium ist essentiell. Bei alten Leuten wird das ganz offensichtlich. Dein Onkell ist alles andere als ein Einzelfall.

"Decreased serum sodium concentration is a rather frequent electrolyte disorder in the elderly population ..."

Und wer schon einmal die bedauernswerte Erfahrung machen durfte, einen Angehoerigen in der Schlaganfallklinik zu besuchen, der wird gestaunt haben, dass die Patienten dort salzhaltiges Mineralwasser bekommen!! Das wird extra von weit hergeholt!! Im Rest des KH gibt es die natriumarme Bruehe ... Wer bitte versteht das??

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Elli W.

298 Kommentare Angemeldet am: 30.07.2021

Hallo,

vielleicht darf ich jetzt bei all diesen interessanten Hin- und Herbetrachtungen diverser Studien mal eine dumme Frage stellen:

Es ging ja drum, ob Salzreduktion nun was bringt oder nicht. Aber bevor ich das Salz reduziere, müsste man da nicht erstmal schauen, wie hoch der Wert der Elektrolyte im Blut eigentlich ist, sprich, von welchem Ausgangswert geht man eigentlich aus? Oder nimmt man schlicht und einfach an, dass alle sowieso zuviel Salz schlucken.

Strunz hat ja zum Beispiel seine Zielwerte. Natrium 134-150mmol/l. Wenn man das hat, dazu noch die berühmten 5mmol/l Kalium, muss man dann auch Salz reduzieren oder hat man dann einfach keinen erhöhten Blutdruck? Ich hab zum Beispiel immer mehr als 150, hab aber eher niedrigen Blutdruck.

Für mich ist die ganze Betrachtung wieder viel zu einseitig. Da wird ein Parameter herausgegriffen... Ich frage mich auch deshalb, weil es auch das Gegenteil gibt. Vor einigen Jahren landete mein Onkel im Krankenhaus, weil es ihm total schlecht ging. Und es hat bis zur Diagnose verdammt lange gedauert: Natrium-Mangel! Aber zu hohen Blutdruck hat der trotzdem. Und im Seniorenheim meiner Mutter wird im Sommer das Essen deutlich gesalzen (meine Mutter schimpft immer, es sei versalzen), damit die alten Herrschaften, wenn sie denn dann mal viel trinken und schwitzen, nicht im Elektrolytmangel landen. Das würde einiges, was hier gesagt wurde, durchaus bestätigen.

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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

Hi Carlos,

"Konstruktive Kritik ist sachlich, respektvoll und lösungsorientiert."

Korrekt!!

Und was hier kam:

"Die Schlussfolgerungen stimmen nicht und können sogar lebensgefährlich sein. Ich rate daher dazu, diesen Artikel von der Webseite zu nehmen."

"dann sind die medizinischen Ratschläge ... unwissenschaftlich, falsch und gefährlich."

klingt eben eher nicht respektvoll, sondern zeugt von Ueber-Ego, nach dem Motto: Ich weiss, was Wissenschaft ist und ihr nicht!

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Carlos 1231 Kommentare Angemeldet am: 18.12.2018

Hier im Forum wird von der Moderation Kritik zugelassen. Das finde ich bemerkenswert. Allerdings gibt es ein paar User, die sich mit Kritik schwertun und lieber alles kritiklos hinnehmen.

Konstruktive Kritik ist sachlich, respektvoll und lösungsorientiert.  Sie bietet Verbesserungsmöglichkeiten und hilft Fehler zu vermeiden. 

Es ist aus meiner Sicht ein absoluter Gewinn für ein Forum, wenn Leute mit sehr gutem Wissen , eigene Ansätze entwickeln und Fehler bzw. falsche Schlußfolgerungen nicht einfach abnicken. Leute wie Thorsten sind eben keine Schafe, die alles abnicken.

Negativität , also Leute , die alles schlecht reden oder alles mies machen, hat rein gar nichts mit Kritik zu tun. Leute, die immer jammern und lästern, sind toxisch. Ich jedenfalls möchte weder ein Schaf sein, das alles abnickt , noch ein toxischer Querulant. 

Es wäre schon mal gut, wenn man die Begriffe und Unterschiede versteht, die man verwendet.

Oliver hat doch Recht mit seinen Ausführungen. Statt ihm "schlecht reden" zu unterstellen, kann man sich mit seinen Argumenten auseinandersetzen. 

Apropos Studienlage. Heute ist ein Interview mit Lauterbach im Spiegel. Er rechtfertigt seinen Verzicht auf Salz mit der Studienlage. Es ist egal wie man zu Lauterbach steht, aber er wird mit Sicherheit den Verzicht auf Salz mit entsprechenden Studien nachweisen können.

Es fragt sich wie immer welchen Nutzen die Studienlage für jeden persönlich hat. Anscheinend ist Studienlage so aussagekräftig wie die Verläßlichkeit von Trumps ständigen Ankündigungen. 

Komisch ist es allerdings , wenn man Studien für Aussage x zitiert und in der Studie wird Y schlussgefolgert.    

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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

Hi Oliver,

mmh - seems to me - dass Du Dich an einer Technicality aufreibst ... und das erinnert eben an Thorsten ;-)

Wenn Du die News noch einmal bewusst liest, wirst Du feststellen, dass diese News eben kein Review einer einzelnen Studie war!! Man findet Aussagen, wie: "Mehrere kontrollierte Studien an Menschen zeigen inzwischen, dass eine stark salzarme Ernährung den Bluthochdruck nicht senkt, sondern ihn sogar verstärken kann."

Es ist also voellig legitim, wenn sie in Ihrem Artikel, der dem Leser das Thema generall nahe bringen soll und nicht als Review einer Einzelstudie gedacht ist, auch ihr zusaetzliches Wissen mit einbringt, egal ob das dann durch die einzelne (halt grad' nur aktuellste) Studie belegt wird oder nicht.

Hast Du meinen letzten Link uebersehen? HIer noch einmal:

https://journalofmetabolichealth.org/index.php/jmh/article/download/78/245

Studie 11 ist sehr interessant:

"Sodium restriction lowered mean arterial blood pressure by 7.5  mmHg in 17% (salt sensitive), no drop in blood pressure in 67% (salt-resistant) and raised blood pressure by 6 mmHg in 16% of participants (reverse reactors)."

Heisst auf Deutsch: Im Durchschnitt bringt es nix, bei einigen senkt es den BD und bei genauso vielen erhoeht es den BD!! Aber alle haben die metabolischen Nachteile der low salt diet.

LG

Stefan

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Oliver Adam 49 Kommentare Angemeldet am: 17.12.2020

Hallo Stefan,

den Artikel, den Du hier dankenswerterweise gepostet hast, hatte ich ja unter Punkt 3 besprochen:

***
Ganz anders hingegen sind systematische Reviews mit Metaanalysen zu bewerten, am besten nach Cochrane-Standard: Hier wird die gesamte Evidenz zu einem Thema eingeschlossen und quantitativ ausgewertet. Ironischerweise verweisen die Autoren Deines Artikels auf solch ein Cochrane-Review (https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004022.pub5/full). Nur: Die Autoren dieses Reviews kommen zu dem Schluss: »Bei weißen Personen mit erhöhtem Blutdruck senkt eine Natriumreduktion den Blutdruck um etwa 3,5 %, was darauf hindeutet, dass eine Natriumreduktion als ergänzende Behandlung bei Bluthochdruck eingesetzt werden kann.« Ironischerweise widerspricht auch diese Metaanalyse der Aussage von Frau Jacoby einerseits, während sie andererseits von den Autoren Deines narrativen Reviews verschwiegen wird.
***

Man kann es drehen und wenden, wie man will:

  1. Wenn jemand eine Hypothese hat (»Salzreduktion hilft nicht gegen Bluthochdruck«),
  2. dies mit einer Studie belegen will,
  3. diese Studie aber das Gegenteil feststellt,
  4. dann sind die medizinischen Ratschläge (»Wer Bluthochdruck ursächlich angehen möchte, sollte die Insulinresistenz verbessern.«) unwissenschaftlich, falsch und gefährlich.
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St. W.

1346 Kommentare Angemeldet am: 28.05.2018

Morning Oliver,

also - ich finde nichts falsch an der Aussage von Fr. Dr. Jacobi:

"Die eigentliche Stellschraube
Wer Bluthochdruck ursächlich angehen möchte, sollte die Insulinresistenz verbessern. Weniger schnell verfügbare Kohlenhydrate, mehr Bewegung, mehr Muskelaktivität. Das senkt den Insulinspiegel, normalisiert die Nierenfunktion und bringt das hormonelle System wieder ins Gleichgewicht."

Zugegeben - man haette noch Kalium mit ins Spiel bringen koennen, aber grundsaetzlich stimmt das, was sie sagt.

Du hast auch selbst angegeben, wieviel Na-Reduktion tatsaechlich bringt ... und diese 4 bis 6 mmHg erkauft man sich dann mit verstaerkter Insulinresistenz, was dann die Wahrscheinlichkeit von Bluthochdruck wieder um 150% erhoeht ... macht das Sinn??

Ich hab mir nicht die Arbeit gemacht, nach Studien zu suchen, die zeigen, dass mit Salzreduktion der Blutdruck dauerhaft ueber Jahre hinweg gesenkt werden kann, bin aber fast sicher, dass das alles Kurzzeit-Effekte sind...

Und da Du Studien magst - hier bitte:

https://journalofmetabolichealth.org/index.php/jmh/article/download/78/245

LG 

Stefan

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Ole

2068 Kommentare Angemeldet am: 06.06.2023

Richtig, Roger....

Die orthomolekulare Medizin sieht Natrium im Gegensatz zur Schulmedizin  nicht grundätzlich problematisch , sondern  betont seine Notwendigkeit und das Gleichgewicht mit Kalium. Eine zu starke Salzreduktion wird dort eher Kritisch gesehen.

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Roger 1557 Kommentare Angemeldet am: 18.04.2020

Hallo Oliver,

Kalium ist der "Gegenspieler" von Natrium (Dr. Kuklinski) und Frau Dr. Jacobi hat vollkommen recht, dass häufig nicht der Natrium Konsum sondern u.a. ein evtl. Kalium Mangel das Problem ist (z.B. Meersalz bzw. Ursalz verwenden etc.). Durch Verbesserung der Mikrozirkulation kann der Blutdruck deutlich gesenkt werden (Prof. Dr. Rau, Schweiz) und hochdosiertes Vitamin C verbessert u.a. die Flexibilität der Blutgefäße (Dr. Petrow, Rostock). Mit dem Bewegungstraining kann man den Blutdruck ebenfalls ein wenig senken: Bewegung - Ernährung - Denken (Dr. Strunz). Viele Grüße!

Roger

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