Allmählich frage ich mich wirklich, warum man Statine nimmt. Dazu fragt ich die Ki und auch hier, selbst bei Hochrisikopatienten werden magere 5-10% Verhinderung dargestellt. Dieses ist auch noch individuell zu bewerten.
Auch wenn die absolute Risikoreduktion (z. B. 0,4 % weniger Todesfälle oder 0,8 % weniger Herzinfarkte in 4 Jahren) klein wirkt, gibt es mehrere Gründe, warum Statine weiterhin medizinisch empfohlen werden:
- Große Bevölkerungswirkung (Public-Health-Perspektive) Kleine absolute Vorteile auf individueller Ebene summieren sich stark, wenn Millionen Menschen behandelt werden. Beispiel: 0,8 % weniger Herzinfarkte klingt wenig, aber bei 1 Million Behandelten sind das 8 000 verhinderte Infarkte.
- Starkes Nutzenprofil bei Hochrisikopatienten Die absolute Risikoreduktion hängt vom Ausgangsrisiko ab. Wenn jemand z. B. schon einen Herzinfarkt hatte oder sehr hohe LDL-Werte hat, ist sein Grundrisiko hoch – und dann ist der absolute Nutzen deutlich größer. Bei Sekundärprävention (nach Herzinfarkt) kann die ARR 5–10 % betragen, nicht nur 0,4 %.
- Relative Risikoreduktion bleibt konsistent Über viele Studien hinweg senken Statine das relative Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle um etwa 20–25 %. Das ist pharmakologisch stabil und gut belegt – nur die absolute Wirkung hängt eben vom individuellen Risiko ab.
- Gute Datenlage und Langzeiterfahrung Statine gehören zu den am besten untersuchten Medikamenten überhaupt. Nebenwirkungen sind bekannt und meist reversibel. Daher werden sie trotz der bescheidenen absoluten Zahlen weiter verschrieben.
Fazit
Ja, der individuelle Nutzen von Statinen ist für Menschen mit niedrigem Risiko gering. Aber bei Hochrisikogruppen (z. B. nach Herzinfarkt, bei Diabetes, bei familiärer Hypercholesterinämie) ist der Nutzen klinisch relevant. Die Entscheidung sollte immer personalisiert erfolgen: Risikoabwägung, Lebensstil, Nebenwirkungen, und Patientenpräferenz.