Unten aufgeführt ist der neueste Klimanewsletter (aus dem Spiegel) . Es gibt viele Szenarien, die eintreten können oder auch nicht. Ich interpretiere das Ganze so, dass man nichts genaues vorhersagen kann. Das System ist angegriffen , aber die Folgen sind auch für Experten nicht absehbar. Karsten Schwanke hat nicht die aktuellen Temperaturen komentiert, sondern Prognosen abgegeben, wie sich der Klimawandel fortsetzt. Die Temperaturen steigen nach seiner als sicher suggerierter Aussage immer weiter und Teile Deutschlands werden unbewohnbar. Das kann sein, aber das Gegenteil kann auch passieren. Karsten Schwanke ist kein Klimaexperte, sondern Meterologe. M.E. ist es absolut unseriös von ihm solche Prognosen dem Publikum "zu verkaufen". Selbst die Experten, die sich hauptberuflich mit dem Thema beschäftigen, können die zukünftige Situation nicht vorhersagen. Die richtige Aussage wäre, dass das System gestört ist und die Folgen nicht absehbar sind. Mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten ist ein bestimmtes Szenario möglich, aber zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch ein anderes Szenario. Thomas, du weißt wie komplex die Systeme sind und das alles voneinender abhängt. Es ist schlicht nicht möglich, dass in mathematische Gleichungen zu übersetzen und zu lösen.
Das Szenario zählt zu den beunruhigendsten Folgen der Klimakrise, die Nordwesteuropa drohen: Ein Kollaps der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC) könnte die Kontinentalheizung abstellen, die uns trotz unserer sehr nördlichen Lage ein angenehm gemäßigtes Klima beschert. Gemeint ist der von der AMOC angetriebene warme Golfstrom. Trotz der globalen Erwärmung dürfte uns das frostige und stürmische Winter bescheren, mehr Dürren im Sommer. Auch in anderen Erdteilen, besonders rund um den Atlantik, müsste sich die Menschheit in einem Klimawandel zurechtfinden, der über die erwartbaren Szenarien hinausgeht. Der tropische Regengürtel um den Äquator etwa dürfte sich nach Süden verschieben.
Beruhigen kann man sich damit, dass dieser Fall wohl nicht plötzlich eintreten würde, noch weit weg erscheint und nicht unbedingt wahrscheinlich ist – auch nicht aus Sicht derer, die sich beruflich darauf konzentrieren und regelmäßig vor den möglichen Konsequenzen warnen.
So war das jedenfalls bisher. In dieser Woche aber hat ein Team um den niederländischen Meeresforscher und Meteorologen Sybren Drijfhout im Fachmagazin »Environmental Research Letters« eine neue Studie veröffentlicht. Die Forschenden simulierten das komplexe AMOC-System in Klimamodellen in mehreren Varianten weit über dieses Jahrhundert hinaus, bis ins Jahr 2500. Wenn die Menschheit weiter so viel klimaschädliches Kohlendioxid freisetzt wie bisher, würde AMOC demnach in sieben von zehn Simulationen zusammenbrechen. Selbst bei drastisch sinkenden Emissionen würde das Risiko nur auf 25 Prozent sinken.
Kipppunkt in wenigen Jahrzehnten
Die Ergebnisse hätten ihn selbst »schockiert«, schreibt der an der Studie beteiligte Forscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung auf der Plattform Bluesky. Er habe die Wahrscheinlichkeit eines AMOC-Kollapses bislang auf unter zehn Prozent beziffert – wegen der gravierenden Folgen auch schon Grund genug, Alarm zu schlagen.
Das neue und für Nordeuropa frostige Klima inmitten der Erderwärmung würde sich zwar auch nach dieser Studie wohl erst im kommenden Jahrhundert einstellen (wenn es denn kommt).
Der Kipppunkt, an dem sich dies nicht mehr verhindern ließe, könnte aber in wenigen Jahrzehnten erreicht werden – im schlimmsten Fall ist es schon so weit. Das besagt eine Studie anderer niederländischer Forscher zum selben Thema, die ebenfalls in dieser Woche erschienen ist.
Immerhin: Es bleibt eine »hohe Unsicherheit«, heißt es in diesem Papier. Es geht um ein komplexes System, das von vielen lokalen Faktoren wie dem schmelzenden Polareis, dem Salzgehalt des Ozeans oder den vorherrschenden Winden abhängt. Darauf beruhen auch gute Nachrichten, etwa wie stabil sich die AMOC trotz bereits messbarer Anzeichen einer Abschwächung erweise.
Noch Anfang dieses Jahres erschien eine britische Studie zu dem Thema, die man als Entwarnung lesen konnte. Manche Forschende wollen sich auf keine Aussage festlegen, solange die Kollaps-Simulationen nicht mit detaillierteren Daten bestätigt sind. Doch die Klimaforscherin Daniela Matei vom eher Kollaps-skeptischen Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie könne sich »gut vorstellen, dass künftig hoch aufgelöste Klimamodelle einige Ergebnisse bestätigen werden«, kommentierte sie auf tagesschau.de die aktuelle Studie von Drijfhout und Kollegen.