24.01.2022
Liebe Foristen (m/w/d),
immer wieder bekommen wir eindrucksfolle persönliche Schilderungen zu lesen, wie es hier oder dort angeblich um die Belegung und Auslatung der Intensivstationen bestellt ist. Mal liegen nur Geimpfte dort, mal vermeintlich überwiegend Menschen mit Migrationshintergrund (was immer dieser Hinweis bedeuten soll).
In jedem Fall handelt es sich aber um regionale, von subjektiver Wahrnehmung geprägte Bilder. Hier undifferenziert auf eine bundesweite Lage verallgemeinern zu wollen, halte ich für sehr fragwürdig. Teilweise liest man von Kliniken, die angeblich gar kein Problem mit ICU überlastung haben. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich diese Kliniken dann schon mal eher als Reha-Einrichtungen ohne Intensivversorgung.
Oft wird berichtet, Patienten würden zahlreich wegen anderer Leiden auf Intensiv liegen und zufällig/zusätzlich Corona-Positiv diagnostiziert. So What? Ab dem Moment gelten für die Betroffenen, unabhängig davon, welches Leiden/Diagnose im Vordergrund steht, die einschlägigen Infektionsschutzmaßnahmen. Allein durch diese steigt die Belastung/Auslastung des Pflegepersonals deutlich an und es reduzieren sich die Kapazitäten für weitere Intensivpatienten.
Ach wird gerne versäumt zwischen den verschiedenen Virenstämmen je Welle zu differenzieren. Hier greift sehr wohl Thomas Kritik von den Momentaufnahmen. Die Impfungen haben gegen den Wildtyp und Alpha sehr guten Schutz vor Infektion, symptomatischen Erkrankungen und schweren bis tödlichen Verläufen gegeben. Bei Delta ist der Schutz vor Infektionen schon etwas geringer gewesen, der vor symptomatischen Erkrankungen und schweren bis tödlichen Verläufen war immer noch hoch.
Omikron mischt die Karten neu. Offenbar kaum noch Schutz vor Infektionen, reduzierter Schutz vor symptomatischen Erkrankungen und schweren bis tödlichen Verläufen. Ist das ein Grund, nicht mehr zu Impfen?
Ich denke nicht. Ich denke, dass ist Grund für eine Anpassung des Impfstoffs.
Was die Wellen betrifft, so kam auch die Frage/Diskussion auf, warum aktuell z.B. Sachsen (niedrige Impfquote) vergleichsweise niedrige Inzidenzen hat und Bremen (hohe Impfquote) so hohe. Eine These ist, dass Geimpfte empfängicher für eine Infektion mit Omikron sind, als Ungeimpfte. Außer einer undifferenzierten, temporären Korrelation sehe ich dafür keine stichhaltigen / überzeugenden Belege.
Eine weitere These mag sein, dass Sachsen gerade erst eine heftige Delta-Welle hinter sich hat und entsprechende, eindämmende Maßnahmen eingeführt und umgesetzt hat. In Bremen und den anderen "Nordländer" schwappt gerade die Omikron-Welle aus Dänemark herüber. Gut zu sehen an dem sich von Norden nach Süden entwickelnden Indzidenzenanstieg. Warum sich Omikron nicht viel schneller über die Republik ausbreitet und Sachsen wieder ähnlich stark betroffen ist? Vielleicht weil es um Sachsen herum ein Bollwerk höherer Impfquoten gibt und weil in den Bundesländern Maßnahmen zu Minderung der Ausbreitung aktiv sind?
Die Infektionswelle(n) laufen derzeit eben nicht frei durch die Republik. Verschiedene Maßnahmen sind dabei durchaus in der Lage und geeignet, die Ausbreitung zu begrenzen und zu verzögern.
Ich würde erwarten, dass wir auch in Sachsen & Co in den nächsten Tagen/Wochen wieder stark ansteigende Inzidenzen sehen werden.
Irrtum aber nicht ausgeschlossen.
LG
Thorsten